Der 13. März 1915 gehört zu den ungewöhnlichsten Episoden der frühen Baseballgeschichte. An diesem Tag fand im amerikanischen Daytona Beach in Florida ein spektakulärer Werbestunt statt, der später als Grapefruit Catch bekannt wurde. Die Geschichte verbindet Baseball, frühe Luftfahrt und eine gehörige Portion Humor. Obwohl die Aktion ursprünglich als ernst gemeinte Demonstration gedacht war, endete sie in einer Szene, die zu einer der bekanntesten Anekdoten des Sports wurde.
Im Frühjahr 1915 hielt sich das Team der Brooklyn Dodgers zu seinem Trainingslager in Florida auf. Diese Trainingslager, heute als Spring Training bekannt, dienten dazu, Spieler vor Beginn der Saison vorzubereiten und gleichzeitig Publikum und Presse anzuziehen. Manager der Dodgers war Wilbert Robinson, eine der prägenden Persönlichkeiten des frühen Baseballs. Robinson hatte zuvor eine erfolgreiche Spielerkarriere hinter sich und galt als erfahrener Trainer mit Sinn für spektakuläre Einfälle.
Während des Trainings entstand die Idee zu einer besonderen Vorführung. Ein Baseball sollte aus einem Flugzeug abgeworfen werden, den Robinson anschließend mit seinem Fanghandschuh auffangen würde. Flugzeuge waren damals noch eine technische Sensation, und eine solche Demonstration versprach große Aufmerksamkeit. Das Flugzeug wurde von Ruth Law gesteuert, die zu den bekanntesten weiblichen Fliegern ihrer Zeit gehörte und mit mehreren Rekordflügen Schlagzeilen gemacht hatte.
Als das Flugzeug über dem Trainingsgelände kreiste und Robinson mit ausgestrecktem Handschuh auf den Abwurf wartete, zeigte sich jedoch ein unerwartetes Problem. Im Flugzeug befand sich kein Baseball. Stattdessen griff man zu einer improvisierten Lösung und warf eine Grapefruit ab. Warum sich diese Frucht überhaupt an Bord befand, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Einige Berichte vermuten, es sei eine geplanter Prank gewesen, andere sprechen von einem spontanen Einfall in letzter Minute.
Die Grapefruit fiel mit hoher Geschwindigkeit auf Robinson zu und zerplatzte beim Aufprall in seinem Handschuh. Saft und Fruchtfleisch spritzten über seine Kleidung und sein Gesicht. Für einen Moment glaubte Robinson selbst, schwer verletzt zu sein, weil der Saft der Frucht wie Blut aussah. Erst Sekunden später wurde klar, dass lediglich eine Grapefruit geplatzt war. Die umstehenden Spieler und Zuschauer brachen in Gelächter aus, während Robinson unverletzt blieb.
Zeitungen im ganzen Land griffen die Geschichte sofort auf. In einer Epoche, in der Baseball die populärste Sportart der Vereinigten Staaten war, verbreiteten sich solche Anekdoten schnell und trugen zur öffentlichen Wahrnehmung des Sports bei. Der missglückte Fangversuch wurde bald unter dem Namen Grapefruit Catch bekannt.
Der Vorfall erhielt später noch eine zusätzliche symbolische Bedeutung. Die Frühjahrstrainings der Major League Baseball in Florida werden bis heute als Grapefruit League bezeichnet. Der Name geht zwar in erster Linie auf die große Grapefruitproduktion des Bundesstaates zurück. In der Baseballfolklore gilt jedoch auch die Episode von 1915 als eine jener Geschichten, die diesem Begriff besondere Bekanntheit verliehen.
