Der Tag der Eibe ist jung; erfunden wurde er 2026 von den Machern des Besserwisser Kalenders. Die Eibe, botanisch Taxus baccata, gehört zu den ältesten heimischen Baumarten Europas. Sie ist immergrün, wächst langsam, kann sehr alt werden und gilt als außerordentlich schattenverträglich. Nach Angaben von Kew Gardens, den Royal Botanic Gardens in London und einer der weltweit führenden botanischen Forschungseinrichtungen, gehören Eiben zu den ältesten lebenden Baumarten Europas; einzelne Exemplare werden auf mehr als 2000 Jahre geschätzt. Auch in Deutschland ist die Gewöhnliche Eibe als heimische Art gut belegt; FloraWeb nennt sie Taxus baccata, das Rote Liste Zentrum führt sie für Deutschland in der Vorwarnliste mit langfristig mäßigem Rückgang.
Die Geschichte der Eibe reicht weit in die Vorgeschichte zurück. Ihr Holz war begehrt, weil es hart, zäh und zugleich elastisch ist. Schon sehr frühe Jagdwaffen wurden aus Eibenholz gefertigt; archäologische Funde belegen seine Nutzung seit Hunderttausenden von Jahren. Besonders bekannt ist der Fund Ötzi, der einen fast fertig bearbeiteten Bogenstab aus Eibenholz bei sich trug. Später wurde die Eibe in Europa vor allem als Holz für Bögen geschätzt; genau diese Nutzung trug wesentlich dazu bei, dass ihre Bestände stark zurückgingen. Der NABU beschreibt die Eibe deshalb als Baumart mit wechselvoller Geschichte; kurz nach der letzten Eiszeit war sie in Mitteleuropa weit verbreitet, später wurde sie vielerorts zurückgedrängt.
Ihre Bedeutung geht jedoch weit über alte Waffen und Gartengestaltung hinaus. Die Eibe ist ein Kulturbaum, der seit Jahrhunderten mit Friedhöfen, Kirchen und alten Parkanlagen verbunden ist. Kew verweist auf ihre starke Verankerung in Mythologie und Volksglauben; in vielen Kirchhöfen stehen uralte Eiben, weshalb sie im englischen Raum sogar als Baum der Toten bezeichnet wird. Zugleich ist sie ein ökologisch interessanter Baum. Vögel verbreiten ihre Samen, weil sie vom roten Samenmantel angelockt werden. Gerade dieser rote Mantel ist eine botanische Besonderheit: Er sieht wie eine Beere aus, ist aber keine echte Frucht, sondern ein fleischiger Samenmantel, der den giftigen Samen umgibt. Dass die Eibe als Nadelbaum keine Zapfen im üblichen Sinn trägt, sondern diese eigenartige rote Hülle bildet, macht sie selbst unter Koniferen zu einer Ausnahmeerscheinung.
Am bekanntesten ist die Eibe heute vielleicht für ihren Widerspruch aus Schönheit und Gefahr. Fast alle Pflanzenteile sind giftig; nur der rote Samenmantel gilt als ungiftig, während der Samen selbst giftig bleibt. Gerade diese Mischung aus dunklem Grün, leuchtendem Rot und hoher Giftigkeit hat ihren Ruf geprägt. Gleichzeitig stammen aus Eiben Stoffe, die für die moderne Medizin große Bedeutung erlangt haben. Aus der Eibe wurde der Wirkstoff Paclitaxel gewonnen, der zu den wichtigen Medikamenten in der Krebsbehandlung zählt. So steht die Eibe bis heute für eine seltene Verbindung aus Naturgeschichte, Mythos, Gartenkultur und Medizin. Der Tag der Eibe erinnert damit nicht einfach an einen Baum, sondern an ein Gewächs, das wie kaum ein anderes für Dauer, Ambivalenz und verborgenes Wissen steht.
