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1. Mai 1901 – Eröffnung Müller’sches Volksbad

Am 1. Mai 1901 wurde in München das Müller'sche Volksbad eröffnet. Für die Stadt war das mehr als die Einweihung eines neuen Schwimmbads.

Am 1. Mai 1901 wurde in München das Müller’sche Volksbad eröffnet. Für die Stadt war das mehr als die Einweihung eines neuen Schwimmbads. Es war ein sichtbares Zeichen moderner Stadtentwicklung, ein hygienisches Versprechen und zugleich ein architektonischer Prachtbau. Das Bad an der Rosenheimer Straße, unmittelbar an der Isar gelegen, war das erste städtische Hallenbad Münchens und galt bei seiner Fertigstellung als eines der größten und modernsten öffentlichen Schwimmbäder seiner Zeit.

Möglich wurde der Bau durch eine Stiftung des Münchner Ingenieurs Karl Müller, später Karl von Müller. Er stellte der Stadt München eine hohe Summe zur Verfügung, verband diese Schenkung aber mit einer klaren sozialen Auflage: Es sollte ein Bad für das „unbemittelte Volk“ entstehen. Damit traf Müller einen zentralen Punkt der damaligen Stadtgesellschaft. Um 1900 besaßen viele Wohnungen kein eigenes Badezimmer, oft nicht einmal eine komfortable Waschgelegenheit. Öffentliche Badeanstalten waren deshalb nicht nur Orte der Erholung, sondern vor allem Einrichtungen der Hygiene und Gesundheitsvorsorge.

Mit der Planung wurde der Architekt Carl Hocheder beauftragt. Der Bau entstand zwischen 1897 und 1901 und wurde zu Hocheders bekanntestem Werk. Er entwarf keinen nüchternen Zweckbau, sondern ein repräsentatives Badehaus, das sich an römischen Thermen, orientalischen Hamams und barocken Raumformen orientierte. Außen zeigt sich das Gebäude als malerischer Gruppenbau mit Turm, im Inneren verbinden sich Jugendstilornamente, Wandmalereien, Stuck, Schmuckgitter, Holzbrüstungen und reich gestaltete Beckenräume zu einer fast feierlichen Atmosphäre.

Die Eröffnung am 1. Mai 1901 war entsprechend ein städtisches Ereignis. Das Bad hieß offiziell Städtisches Karl Müller’sches Volksbad und machte deutlich, wie eng damals kommunale Baupolitik, soziale Fürsorge und bürgerliches Mäzenatentum miteinander verbunden waren. Der Badebetrieb begann nach der feierlichen Eröffnung wenige Tage später. Das Gebäude war technisch anspruchsvoll, architektonisch außergewöhnlich und für die Münchner Bevölkerung ein neuer öffentlicher Raum, in dem Körperpflege, Schwimmen und Erholung miteinander verbunden wurden.

Ursprünglich war das Volksbad streng nach Geschlechtern getrennt. Es gab eine größere Schwimmhalle für Männer und eine kleinere für Frauen. Diese Aufteilung war keine Nebensache, sondern prägte den Grundriss des Gebäudes. Von der Kasse an waren die Wege so organisiert, dass sich die Bereiche nicht vermischten. Neben den Schwimmbecken bot das Bad Wannenbäder, Brausebäder und ein römisch-irisches Schwitzbad. Damit erfüllte es eine Funktion, die weit über das heutige Verständnis eines Hallenbads hinausging. Es war Badeanstalt, Gesundheitsort und sozialer Infrastrukturraum in einem.

Dass das Müller’sche Volksbad nicht als schlichter Hygieneapparat gebaut wurde, ist bis heute sein besonderer Reiz. Wer dort schwimmt, bewegt sich in einem Raum, der Schönheit ausdrücklich ernst nimmt. Die Architektur sollte den Besuch nicht nur praktisch, sondern würdevoll machen. Gerade darin lag die soziale Idee des Hauses: Auch Menschen mit wenig Geld sollten nicht in einer kargen Zweckanstalt baden, sondern in einem Gebäude, das ihnen Respekt entgegenbrachte. Der Begriff Volksbad war hier nicht schmückendes Beiwerk, sondern Programm.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts änderte sich die Bedeutung des Hauses. Als Badezimmer in Privatwohnungen selbstverständlich wurden, verloren Wannen und Brausebäder ihre ursprüngliche Funktion. Einige Anlagen wurden stillgelegt oder umgebaut, anderes blieb als historisches Zeugnis erhalten. Zeitweise gab es im Untergeschoss sogar ein Hundebad, das bis 1978 bestand. Auch die strikte Geschlechtertrennung verschwand schließlich. Aus der hygienischen Volksbadeanstalt wurde nach und nach ein historisches Hallenbad mit Sauna, Dampfbad und besonderem Denkmalwert.

Heute zählt das Müller’sche Volksbad zu den bekanntesten historischen Bädern Europas. Viele Details sind originalgetreu erhalten, zugleich wird das Haus weiterhin als öffentliches Bad genutzt. Gerade diese Verbindung aus laufendem Badebetrieb und Denkmalpflege macht das Gebäude ungewöhnlich. Es ist kein Museum, das nur betrachtet wird, sondern ein öffentlicher Ort, der noch immer benutzt wird.

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