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12. Juni 2026 – Internationaler Cachaça-Tag

Am 12. Juni richtet sich der Blick der internationalen Spirituosenszene auf ein Destillat, das außerhalb Brasiliens lange Zeit wenig beachtet wurde: Cachaça.

Am 12. Juni richtet sich der Blick der internationalen Spirituosenszene auf ein Destillat, das außerhalb Brasiliens lange Zeit wenig beachtet wurde: Cachaça. Dieser Zuckerrohrschnaps, dessen Ursprung bis in die Kolonialzeit zurückreicht, ist mehr als nur die Basis für eine Caipirinha. Der Internationale Cachaça-Tag wurde ins Leben gerufen, um dieser vielfältigen Spirituose ein weltweites Forum zu geben und ihre kulturelle Bedeutung in Brasilien wie auch ihre internationale Rezeption zu würdigen.

Die Wahl des Datums ist nicht zufällig. Der 12. Juni markiert zwar keinen historischen Wendepunkt, dient jedoch als symbolisches Datum, um Cachaça global bekannter zu machen. In Brasilien selbst existiert ein offizieller Gedenktag am 13. September, der an die Legalisierung des Brennens von Cachaça im Jahr 1661 erinnert. Der internationale Tag hingegen entstand aus einer Initiative von Enthusiasten, Bartendern und Herstellern, die sich in sozialen Netzwerken und durch Veranstaltungen für mehr Sichtbarkeit des Produkts einsetzen.

Die Geschichte der Cachaça ist eng mit der portugiesischen Kolonialisierung Brasiliens verbunden. Bereits im 16. Jahrhundert begannen Siedler, Zuckerrohr anzubauen und zu verarbeiten. Die Rückstände aus der Zuckerproduktion wurden zunächst an Tiere verfüttert, doch bald entdeckte man, dass der Zuckerrohrsaft durch Gärung und Destillation ein alkoholisches Getränk ergibt. Diese neue Spirituose verbreitete sich rasch in der Kolonie und wurde sowohl von der Landbevölkerung als auch von städtischen Arbeitern konsumiert.

Im Laufe der Jahrhunderte war Cachaça nicht nur ein Genussmittel, sondern auch ein Symbol für soziale und politische Konflikte. Im 17. Jahrhundert versuchte die portugiesische Krone mehrfach, die Produktion zu verbieten oder zu kontrollieren, um Importe europäischer Branntweine zu schützen. Dies führte zu Unruhen, unter anderem zum sogenannten Cachaça-Aufstand von 1660 in Rio de Janeiro, der ein Jahr später zur offiziellen Anerkennung der Produktion führte. In dieser Zeit etablierte sich Cachaça als Teil der nationalen Identität, ein Status, der bis heute anhält.

Cachaça wird durch die Fermentation und Destillation von frischem Zuckerrohrsaft gewonnen. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von Rum, der meist aus Melasse hergestellt wird. Diese Eigenart verleiht ihr ein charakteristisches Aroma, das je nach Herstellungsverfahren, Lagerung und regionaler Herkunft stark variieren kann. In Brasilien existieren hunderte kleine Brennereien, die teilweise seit Generationen in Familienbesitz sind. Einige von ihnen arbeiten nach traditionellen Methoden mit kupfernen Alambiques, andere setzen auf industrielle Großproduktion.

Trotz dieser Vielfalt blieb Cachaça lange Zeit international unterrepräsentiert. Erst in den letzten Jahrzehnten gewann sie an Profil, nicht zuletzt durch den weltweiten Erfolg der Caipirinha. In ihr verbinden sich die Frische der Limette, die Süße des Zuckers und die Schärfe der Spirituose zu einem Cocktail, der inzwischen auf keiner Barkarte fehlt. Dennoch ist Cachaça mehr als nur Zutat. Kenner schätzen insbesondere gelagerte Varianten, sogenannte Cachaças envelhecidas, die in Holzfässern reifen und komplexe Aromen entwickeln.

Der Internationale Cachaça-Tag dient somit nicht nur der Vermarktung eines alkoholischen Produkts. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Stück brasilianischer Alltagskultur, auf handwerkliche Herstellungsverfahren und auf eine Spirituose, die in ihrer Heimat seit Jahrhunderten fest verankert ist.

Bildquellen auf dieser Seite:

  • Wiener-Riesenrad-Prater-wn-crop: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
  • Franz-Kafka1906-Gemeinfre-crop: Gemeinfrei | Gemeinfrei

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