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14. Juli 1995 – MP3-Format wurde erfunden

Am 14. Juli 1995 erhielt eines der bekanntesten Dateiformate der Computergeschichte seinen Namen. Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen entschieden sich in einer internen Abstimmung für die Dateiendung „.mp3“.

Am 14. Juli 1995 erhielt eines der bekanntesten Dateiformate der Computergeschichte seinen Namen. Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen entschieden sich in einer internen Abstimmung für die Dateiendung „.mp3“. Der Tag gilt deshalb häufig als Geburtstag des MP3-Formats. Erfunden wurde das Kompressionsverfahren allerdings nicht an diesem Datum; hinter ihm lagen bereits rund zwei Jahrzehnte Forschung. Auch die technische Bezeichnung MPEG-1 Audio Layer 3 war zu diesem Zeitpunkt längst festgelegt.

Die Vorgeschichte begann Anfang der 1970er Jahre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Der Elektrotechniker Dieter Seitzer suchte nach einer Möglichkeit, Sprache in hoher Qualität über Telefonleitungen zu übertragen. Später richtete seine Arbeitsgruppe die Forschung auf Musiksignale aus. Zu seinen Studenten gehörte Karlheinz Brandenburg, der Erkenntnisse der Psychoakustik für die digitale Audiocodierung nutzte. Seine 1989 abgeschlossene Dissertation schuf wichtige Grundlagen für das spätere Format. Gemeinsam mit Forschern des Fraunhofer IIS wurde das Verfahren anschließend weiterentwickelt und für den praktischen Einsatz vorbereitet.

MP3 war keine Erfindung eines einzelnen Wissenschaftlers. Zum Kernteam gehörten neben Brandenburg unter anderem Ernst Eberlein, Heinz Gerhäuser, Bernhard Grill, Jürgen Herre, Harald Popp und Thomas Sporer. Auch Forscher außerhalb des Erlanger Teams lieferten Beiträge. Ein wichtiger Schritt war die Beteiligung am europäischen Forschungsprojekt EU147 für digitales Radio. Dort entstanden ab 1987 Verfahren, mit denen Musik erstmals in Echtzeit komprimiert werden konnte. Aus mehreren Ansätzen entwickelte sich schließlich der Audiocodec, der als Layer 3 in den MPEG-1-Standard aufgenommen wurde. Die technische Arbeit daran war Ende 1991 abgeschlossen; 1992 verabschiedete die Moving Picture Experts Group den Standard, im August 1993 erschien er als internationale Norm ISO/IEC 11172-3.

Das Verfahren nutzt Besonderheiten des menschlichen Gehörs. Laute Töne können leisere Signale in ihrer Nähe verdecken; andere Bestandteile eines Musikstücks liegen außerhalb dessen, was Menschen wahrnehmen können. MP3 analysiert solche Effekte und speichert weniger wichtige Signalanteile mit geringerer Genauigkeit. Die Kompression ist daher verlustbehaftet: Nach dem Entpacken entspricht die Datei nicht mehr bitgenau dem Original. Bei geeigneter Datenrate bleibt der Unterschied jedoch für viele Hörer kaum wahrnehmbar. Eine MP3-Datei kann dadurch nur etwa ein Zehntel des Speicherplatzes einer unkomprimierten Aufnahme benötigen.

Die geringe Dateigröße traf Mitte der 1990er Jahre auf schnellere Computer, erste leistungsfähige Soundkarten und das wachsende Internet. Fraunhofer veröffentlichte 1995 eine Software zum Erstellen und Abspielen der Dateien. Wenig später verbreiteten sich Musikstücke im MP3-Format über das Netz; ab 1998 kamen die ersten tragbaren Abspielgeräte mit Flash-Speicher auf den Markt. Damit konnten Nutzer ihre Musiksammlung unabhängig von CD, Kassette oder Schallplatte mitnehmen. Zugleich erleichterte das Format unerlaubte Kopien und stellte die Musikindustrie vor grundlegende Probleme.

Spätere Verfahren wie AAC komprimieren Audiodaten effizienter, doch MP3 blieb wegen seiner weiten Verbreitung und der Unterstützung durch nahezu alle Abspielgeräte erhalten. Das Format veränderte nicht nur die Speicherung von Musik, sondern auch deren Vertrieb und Nutzung. Seine Entstehung war kein einzelner Geistesblitz, sondern das Ergebnis jahrelanger Forschung, internationaler Standardisierung und der Arbeit eines großen Entwicklerteams. Der 14. Juli 1995 markiert daher nicht die Erfindung der Technik, sondern den Tag, an dem sie ihren weltbekannten Namen bekam.

Bild: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
KI-Bild: Werner Niedermeier

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