Sie war ein schwimmendes Symbol für Italiens Nachkriegsstolz: die Andrea Doria, benannt nach dem genuesischen Admiral und Flottenführer des 16. Jahrhunderts, lief 1951 vom Stapel und galt in den 1950er-Jahren als eines der schönsten und sichersten Passagierschiffe der Welt. Mit rund 213 Metern Länge, 27 Metern Breite und Platz für über 1200 Passagiere auf neun Decks verband sie nicht nur Europa mit der neuen Welt, sondern auch technologische Moderne mit italienischer Eleganz. Kunstwerke von De Chirico und Guttuso schmückten die Säle, Speisesalons boten feinstes mediterranes Flair, und ein eigenes Schwimmbad stand zur Verfügung, damals eine Seltenheit auf See.
Doch das Prestigeprojekt endete tragisch. Auf ihrer 101. Atlantiküberquerung von Genua nach New York stieß die Andrea Doria am Abend des 25. Juli 1956 bei dichtem Nebel vor der Küste von Nantucket (Massachusetts) mit der schwedischen Stockholm zusammen. Während die Stockholm gerade den Hafen von New York verlassen hatte, näherte sich die Andrea Doria ihrer Ankunft. Beide Schiffe verließen sich auf ihre modernen Radaranlagen, und unterschätzten die Geschwindigkeit und Richtung des jeweils anderen. Hinzu kam ein schwerer Navigationsfehler: Der Rudergänger der Stockholm legte das Steuer nach Backbord, obwohl der Offizier „harte Steuerbordlage“ befohlen hatte; das bedeutete ein direktes Zusteuern auf den Bug der Andrea Doria.
Die Kollision riss ein über zehn Meter langes Loch in die rechte Seite des italienischen Schiffes. Binnen Minuten neigte sich die Andrea Doria stark nach Steuerbord, und zwar so sehr, dass viele Rettungsboote auf dieser Seite nicht mehr zu Wasser gelassen werden konnten. Dennoch verlief die Evakuierung bemerkenswert geordnet. Mit Hilfe mehrerer herbeigeeilter Schiffe, vor allem der französischen Ile de France, konnten über 1600 Menschen gerettet werden. 46 Menschen kamen ums Leben, darunter viele in den betroffenen Kabinen der dritten Klasse.
Elf Stunden nach der Kollision, am Vormittag des 26. Juli, sank die Andrea Doria langsam über das Heck. Die Bilder des dramatisch gekippten Luxusliners gingen um die Welt. Der Fall führte in der Folge zu zahlreichen Diskussionen über Seeverkehrssicherheit, Radartechnik, Nebelnavigation und die Ausbildung von Besatzungen. Die Andrea Doria wurde später mehrfach von Tauchern besucht, unter anderem wegen wertvoller Kunstwerke und eines sagenumwobenen Safes, doch das Wrack ist inzwischen weitgehend zerfallen.
Fast zwei Jahrzehnte nach dem Unglück wurde die Andrea Doria in Deutschland noch einmal berühmt, diesmal auf ganz andere Weise. Der Musiker Udo Lindenberg veröffentlichte 1973 das Album Alles klar auf der Andrea Doria, dessen gleichnamiger Titelsong bis heute zu seinen bekanntesten Stücken zählt. Der Song erzählt von einem Auftritt einer Dixieland-Band im Hamburger Musikclub „Onkel Pö“ und mischt Kneipenflair mit Untergangsphantasie. Die titelgebende Andrea Doria wird dabei zur Metapher: Das Schiff, das im Lied gar nicht vorkommt, steht symbolisch für eine Gesellschaft, die tanzend und trinkend ihrem Ende entgegensegelt; ohne es zu merken oder wahrhaben zu wollen.
Der scheinbar harmlose Refrain „Alles klar auf der Andrea Doria“ entwickelt dadurch eine bitter-ironische Doppeldeutigkeit. Lindenberg nutzt das Bild des sinkenden Luxusliners als Chiffre für Selbsttäuschung, Gleichgültigkeit oder auch für eine Haltung des „Weiter so“, selbst wenn das Wasser längst in den Maschinenraum dringt. Musikalisch mischt der Song swingende Rhythmen mit Sprechgesang und norddeutschem Tonfall, ganz im Stil der frühen „Panik-Orchester“-Jahre.
Das Lied wurde zu Lindenbergs erstem großen Charterfolg und prägte seinen Ruf als lakonischer Beobachter bundesrepublikanischer Befindlichkeiten. Seitdem ist der Name „Andrea Doria“ im deutschen Sprachraum nicht nur mit einer Schiffskatastrophe verbunden; sondern auch mit einem Kultsong, der den Untergang musikalisch inszeniert und gleichzeitig ironisch abfedert.

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