Am 25. Juli 1917 wurde in Tokio die Nippon Kogaku K.K. gegründet, aus der später die heutige Nikon Corporation hervorging. Das Unternehmen entstand durch den Zusammenschluss mehrerer japanischer Betriebe, die optische Geräte, Linsen und Spiegel herstellten. Maßgeblich vorangetrieben wurde die Gründung von Koyata Iwasaki, dem damaligen Präsidenten des Mitsubishi-Konzerns. Ziel war es, Japan bei hochwertigen optischen Instrumenten unabhängiger von europäischen Herstellern zu machen. Zunächst produzierte die Firma vor allem Entfernungsmesser, Mikroskope und andere Präzisionsgeräte.
In den ersten Jahren konzentrierte sich die Firma auf die Herstellung eigenen optischen Glases und den Aufbau einer leistungsfähigen Linsenfertigung. 1921 kamen die kompakten MIKRON-Ferngläser auf den Markt. Im selben Jahr holte das Unternehmen acht deutsche Ingenieure nach Japan, darunter Spezialisten für Linsenberechnung, Mikroskopbau und Präzisionsmechanik. 1929 entstand mit dem Anytar 12 cm F4.5 das erste eigene Fotoobjektiv. Für die späteren Objektive wurde der Markenname NIKKOR geschaffen, zusammengesetzt aus der Kurzform „Nikko“ für Nippon Kogaku und dem damals bei Objektivnamen verbreiteten Buchstaben R. Die Marke wurde 1932 eingetragen.
Während des Zweiten Weltkriegs war Nippon Kogaku stark in die Herstellung militärischer Optik eingebunden. Nach der japanischen Niederlage stellte die Firma ihre Produktion wieder auf zivile Erzeugnisse um. 1946 wurde für eine geplante Kleinbildkamera erstmals der Name Nikon verwendet. Er ging ebenfalls aus „Nikko“ hervor und erhielt ein zusätzliches N. Im März 1948 erschien die Nikon Model I, die erste Kamera des Unternehmens und zugleich das erste Produkt, das den Namen Nikon trug. Auf sie folgten die Modelle Nikon M, Nikon S und später die technisch anspruchsvolle Nikon SP.
Den internationalen Durchbruch brachten amerikanische Pressefotografen während des Koreakriegs. Fotografen des Magazins „Life“ verwendeten NIKKOR-Objektive unter schwierigen Bedingungen und lobten deren Schärfe und Zuverlässigkeit. Ein Bericht der „New York Times“ machte die japanischen Kameras und Objektive 1950 in den USA bekannt. Nikon trug damit wesentlich dazu bei, dass japanische Präzisionsprodukte nicht mehr als billige Nachahmungen, sondern als ernsthafte Konkurrenz für deutsche Hersteller wahrgenommen wurden.
1959 stellte die Firma die Nikon F vor. Die robuste einäugige Spiegelreflexkamera entwickelte sich zu einem bevorzugten Arbeitsgerät vieler Pressefotografen und begründete Nikons Ruf als Hersteller professioneller Kamerasysteme. Ihr F-Bajonett blieb über Jahrzehnte erhalten und ermöglichte die Verwendung zahlreicher Objektivgenerationen. Auch in der Raumfahrt bewährte sich die Technik. Für die Mondmission Apollo 15 lieferte Nikon 1971 speziell angepasste Kameras an die NASA; später kamen Nikon-Modelle im Skylab, in Space Shuttles und auf der Internationalen Raumstation zum Einsatz.
Schon früh war Nikon jedoch weit mehr als ein Kamerahersteller. Das Unternehmen produzierte Mikroskope, Vermessungsgeräte, Messsysteme und hochauflösende Spezialoptiken. Aus diesen Erfahrungen entstand ein bedeutender Geschäftsbereich für Belichtungsanlagen zur Herstellung von Halbleitern und Flachbildschirmen. 1980 stellte Nippon Kogaku mit dem NSR-1010G den ersten in Japan produzierten kommerziellen Stepper vor. Am 1. April 1988 wurde schließlich auch der Firmenname geändert: Aus Nippon Kogaku K.K. wurde offiziell die Nikon Corporation.
Den Übergang zur Digitalfotografie begann Nikon zunächst gemeinsam mit Fujifilm. 1995 erschienen die digitalen Spiegelreflexkameras E2 und E2s, 1997 folgten die ersten COOLPIX-Kompaktkameras. Ein Meilenstein war die 1999 vorgestellte Nikon D1. Sie verband ein professionelles Kameragehäuse mit einem eigenen digitalen Aufnahmesystem und war erheblich günstiger als viele damalige Konkurrenzprodukte. In den folgenden Jahren gehörten Nikons digitale Spiegelreflexkameras zu den wichtigsten Werkzeugen von Presse-, Sport- und Naturfotografen.
Mit dem Siegeszug der Smartphones und spiegellosen Systemkameras geriet das traditionelle Kamerageschäft jedoch unter Druck. Nikon reagierte 2018 mit dem neuen Z-System und einem größeren Objektivanschluss. Die Z 7 war die erste spiegellose Vollformatkamera der Reihe, 2021 folgte mit der Z 9 ein professionelles Spitzenmodell. 2024 übernahm Nikon den amerikanischen Kinokamerahersteller RED vollständig und verstärkte damit sein Engagement im professionellen Filmbereich. Im selben Jahr lieferte das Unternehmen Z-9-Kameras an die NASA, die ohne besondere technische Umbauten auf der Internationalen Raumstation eingesetzt wurden.
Heute ist Nikon ein breit aufgestellter Technologiekonzern mit den Bereichen Bildtechnik, Präzisionsanlagen, Medizintechnik, Komponenten und digitale Fertigung. Im Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 677,2 Milliarden Yen und beschäftigte weltweit 19.928 Mitarbeiter. Das Jahr endete allerdings mit einem hohen operativen Verlust, der vor allem durch Wertminderungen im Bereich digitale Fertigung geprägt war. Die Kamerasparte blieb mit einem Umsatz von rund 290,1 Milliarden Yen der größte Geschäftsbereich. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Gründung steht Nikon damit erneut vor einem tiefgreifenden Wandel: Aus dem Hersteller von Ferngläsern und Mikroskopen wurde zunächst eine der berühmtesten Kameramarken der Welt und schließlich ein Anbieter optischer und digitaler Präzisionstechnik für Fotografie, Forschung, Medizin, Industrie und Raumfahrt.
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