Kalender

1. August 1863 – Gründung Firma Bayer

Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färbermeister Johann Friedrich Weskott gründeten am 1. August 1863 in Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, die offene Handelsgesellschaft „Friedr. Bayer et comp.“.

Aus einer kleinen Farbenhandlung im Bergischen Land entstand einer der bekanntesten deutschen Industrie- und Pharmakonzerne. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färbermeister Johann Friedrich Weskott gründeten am 1. August 1863 in Barmen, heute ein Stadtteil von Wuppertal, die offene Handelsgesellschaft „Friedr. Bayer et comp.“. Das Unternehmen stellte synthetische Farbstoffe her, die aus Steinkohlenteer gewonnen wurden. Solche Farben waren günstiger und in gleichbleibender Qualität verfügbar, während natürliche Farbstoffe häufig knapp und teuer waren. Die wachsende Textilindustrie bot den Gründern einen entsprechend großen Absatzmarkt.

Das Unternehmen expandierte schnell. Aus den anfangs drei Beschäftigten waren 1881 bereits mehr als 300 geworden. Im selben Jahr wandelten die Erben der inzwischen verstorbenen Gründer den Betrieb in die Aktiengesellschaft „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“ um. Unter dem Chemiker und späteren Generaldirektor Carl Duisberg baute Bayer eine leistungsfähige Forschungsabteilung auf. Neben Farbstoffen entwickelte das Unternehmen zunehmend Arzneimittel. 1888 entstand eine eigene pharmazeutische Abteilung, 1899 kam Aspirin auf den Markt. Das Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure wurde zum bekanntesten Produkt des Konzerns. 1904 führte Bayer das bis heute verwendete Bayer-Kreuz als Firmenzeichen ein. Wegen des steigenden Platzbedarfs verlagerte das Unternehmen seine Produktion schrittweise nach Leverkusen, das 1912 neuer Firmensitz wurde.

Der Erste Weltkrieg unterbrach die internationale Expansion. Bayer wurde in die deutsche Kriegswirtschaft einbezogen und produzierte unter anderem Sprengstoffe und chemische Kampfstoffe. Zugleich verlor das Unternehmen wichtige Auslandsmärkte, Tochtergesellschaften, Patente und Markenrechte. Besonders folgenreich war die Beschlagnahmung des amerikanischen Besitzes. In den Vereinigten Staaten durfte Bayer den eigenen Namen und das Bayer-Kreuz jahrzehntelang nicht mehr selbst verwenden.

Im Jahr 1925 schloss sich Bayer mit BASF, Hoechst, Agfa und weiteren Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG zusammen. Bayer übertrug sein Vermögen auf den neuen Konzern und wurde als selbstständige Gesellschaft aus dem Handelsregister gelöscht. Während der nationalsozialistischen Herrschaft entwickelte sich die I.G. Farben zu einem zentralen Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft. In den ehemaligen Bayer-Werken am Niederrhein wurden Tausende Zwangsarbeiter eingesetzt. Die I.G. Farben errichtete außerdem beim Konzentrationslager Auschwitz das Werk Buna-Monowitz und ein eigenes Lager, in dem Häftlinge unter mörderischen Bedingungen arbeiten mussten. Auch Arzneimittelversuche an KZ-Häftlingen gehören zur Geschichte des Konzerns.

Nach Kriegsende wurde die I.G. Farben von den Alliierten entflochten. Im Nürnberger I.G.-Farben-Prozess erhielten 13 von 23 angeklagten Managern Haftstrafen, die meisten wurden jedoch frühzeitig entlassen. Am 19. Dezember 1951 entstand die Farbenfabriken Bayer AG neu. Ihr wurden die Werke in Leverkusen, Dormagen, Elberfeld und Uerdingen zugeteilt. In den folgenden Jahrzehnten profitierte Bayer vom westdeutschen Wirtschaftswunder, baute sein Auslandsgeschäft wieder auf und erweiterte die Produktion um Kunststoffe, Pflanzenschutzmittel und zahlreiche Medikamente. Seit 1972 trägt das Unternehmen den Namen Bayer AG.

Eng mit dem Unternehmen verbunden ist auch Bayer 04 Leverkusen. Der Verein entstand 1904 auf Initiative von Beschäftigten der Farbenfabriken; 1907 wurde eine eigene Fußballabteilung gegründet. Aus dieser Herkunft erklärt sich der bis heute verwendete Beiname „Werkself“. Mit einer Betriebsmannschaft im eigentlichen Sinne hat der Bundesligaklub jedoch längst nichts mehr zu tun: Die Profifußballer arbeiten nicht im Bayer-Werk, sondern sind Angestellte der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH, die vollständig der Bayer AG gehört. Der Konzern kann den Profifußball damit anders als gewöhnliche Investoren vollständig kontrollieren und finanziell unterstützen. Möglich wurde dies durch eine Ausnahme von der 50+1-Regel, nach der grundsätzlich ein mitgliedergeführter Mutterverein die Stimmenmehrheit an der ausgegliederten Profiabteilung behalten muss. Die sogenannte Förderausnahme wurde Bayer gewährt, weil das Unternehmen den Verein bereits seit Jahrzehnten ununterbrochen und erheblich unterstützt hatte.

Von einer vergleichbaren Sonderstellung profitiert gegenwärtig nur der VfL Wolfsburg, dessen Fußballgesellschaft Volkswagen gehört. Andere Clubs dürfen einem Unternehmen die beherrschende Stellung nicht übertragen, weil die 50+1-Regel den Einfluss externer Geldgeber begrenzen, die Mitbestimmung der Vereinsmitglieder sichern und möglichst einheitliche Wettbewerbsbedingungen schaffen soll. Gerade deshalb sind die Ausnahmen umstritten: Das Bundeskartellamt stellte 2025 infrage, ob Leverkusen und Wolfsburg dauerhaft anders behandelt werden dürfen als die übrigen Bundesligisten. Eine endgültige Neuregelung steht weiterhin aus.

Seit den 1990er-Jahren veränderte Bayer seine Struktur grundlegend. Der Konzern stärkte das Pharma- und Pflanzenschutzgeschäft durch Übernahmen, darunter Aventis CropScience im Jahr 2001 und Schering 2006. Gleichzeitig wurden klassische Chemiebereiche ausgegliedert: 2005 entstand Lanxess, 2015 brachte Bayer seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse. Mit der Übernahme des amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzkonzerns Monsanto im Jahr 2018 konzentrierte sich Bayer endgültig auf Landwirtschaft und Gesundheit.

Die Monsanto-Übernahme brachte dem Konzern jedoch erhebliche rechtliche und finanzielle Belastungen. Zehntausende Kläger in den USA machten das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup für Krebserkrankungen verantwortlich. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten stärkte im Juni 2026 zwar Bayers Position bei einem Teil der Klagen; zahlreiche Verfahren vor Gerichten der Bundesstaaten und ein vorgeschlagener Milliardenvergleich sind jedoch weiterhin nicht abgeschlossen.

Heute besteht Bayer aus den drei Bereichen Crop Science, Pharmaceuticals und Consumer Health. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro und beschäftigte zum Jahresende rund 88.000 Mitarbeiter. Zugleich entstand wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ein Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro. Damit steht Bayer mehr als 160 Jahre nach seiner Gründung erneut vor einem tiefgreifenden Umbau: Aus der kleinen Farbstofffabrik ist ein globaler Gesundheits- und Agrarkonzern geworden, dessen Zukunft wesentlich davon abhängt, die wirtschaftlichen und juristischen Folgen der Monsanto-Übernahme zu bewältigen.

Bild: Shutterstock | Shutterstock

Bildquellen auf dieser Seite:

Heute ist außerdem...

Sehen Sie, was heute sonst noch los ist.

Entdecken