Am 9. August 1951 wurde in München das Goethe-Institut gegründet. Was zunächst als Einrichtung zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer gedacht war, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer der wichtigsten deutschen Institutionen für internationale Kultur- und Bildungsarbeit. Heute ist das Goethe-Institut in zahlreichen Ländern vertreten und vermittelt dort deutsche Sprache und Kultur.
Die Gründung erfolgte nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Deutschland musste nach der nationalsozialistischen Diktatur auch seine kulturellen Beziehungen zum Ausland neu aufbauen. Das Goethe-Institut entstand als eingetragener Verein und knüpfte teilweise an die Arbeit der früheren Deutschen Akademie an. Diese war während der Zeit des Nationalsozialismus politisch und ideologisch vereinnahmt worden. Beim Neuaufbau wurde deshalb bewusst eine andere Organisationsform gewählt.
Anfangs konzentrierte sich das Institut vor allem auf die deutsche Sprache. Ausländische Deutschlehrer kamen nach Deutschland, um dort sprachlich und fachlich weitergebildet zu werden. Bereits 1952 wurde in Athen das erste Goethe-Institut außerhalb Deutschlands eröffnet. Der Ausbau ging schnell voran: Bis 1961 entstanden weitere 53 Institute im Ausland. Gleichzeitig erweiterte sich das Aufgabengebiet zunehmend um die internationale Kulturarbeit.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Goethe-Institut zu einem wichtigen Bestandteil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik der Bundesrepublik. Dabei tritt es nicht als klassische staatliche Behörde auf. Es ist ein selbstständiger Verein, der jedoch einen großen Teil seiner Aufgaben im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes erfüllt.
Ein Schwerpunkt ist bis heute die Förderung der deutschen Sprache. Die Institute bieten Sprachkurse und Prüfungen an, bilden Deutschlehrer fort und stellen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Daneben organisiert das Goethe-Institut Veranstaltungen aus Literatur, Film, Musik, Theater, Tanz und bildender Kunst. Hinzu kommen Bibliotheken, Informationsangebote sowie Projekte, bei denen deutsche Künstler, Wissenschaftler und Kulturschaffende mit Partnern in anderen Ländern zusammenarbeiten.
Dabei geht es längst nicht ausschließlich darum, deutsche Kultur im Ausland zu präsentieren. Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht im kulturellen Austausch. Veranstaltungen und Projekte sollen Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Länder ermöglichen und Diskussionen über gesellschaftliche, kulturelle und politische Themen fördern. Gerade dieser Ansatz unterscheidet moderne internationale Kulturarbeit von einer reinen Selbstdarstellung Deutschlands.
Heute verfügt das Goethe-Institut nach eigenen Angaben über 154 Institute in 100 Ländern. Damit reicht sein Netzwerk von Europa über Afrika, Asien und Amerika bis nach Australien. Der Name des Instituts erinnert an Johann Wolfgang von Goethe, dessen Werk wie kaum ein anderes für die internationale Wirkung deutscher Sprache und Literatur steht.
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