Am 23. August 1912 wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, einer der größten Künstler der amerikanischen Filmgeschichte geboren: Gene Kelly. Mit seiner Mischung aus Eleganz und Athletik veränderte er das Musical-Genre grundlegend und machte den Tanz einem breiten Publikum zugänglich. Statt elitärer Ballettästhetik verkörperte Kelly die Leichtigkeit des Alltäglichen. Oft tanzte er nicht nur mit Partnerinnen, sondern auch mit Alltagsgegenständen wie einem Mopp, einem Spiegelbild oder einem Regenschirm, der in „Singin’ in the Rain“ unsterblich wurde.
Seine Karriere begann zunächst abseits des Scheinwerferlichts. Obwohl er eigentlich Baseballspieler werden wollte, eröffnete er mit seiner Familie ein Tanzstudio in Pittsburgh. Parallel studierte er Wirtschaft an der University of Pittsburgh. 1938 trat er erstmals am Broadway in Cole Porters Musical „Leave It to Me!“ auf, zwei Jahre später folgte der Durchbruch in der Hauptrolle von „Pal Joey“, die ihn auch als Choreograf bekannt machte.
1942 wechselte Kelly nach Hollywood. Gleich sein erster Film „For Me and My Gal“, in dem er an der Seite von Judy Garland spielte, zeigte sein Potential. Es folgten Werke, die das Musical auf eine neue Ebene hoben. „Cover Girl“ (1944), „Anchors Aweigh“ (1945) mit der berühmten Tanzszene mit Jerry der Maus, „On the Town“ (1949), das erstmals großflächig auf den Straßen New Yorks gedreht wurde, „An American in Paris“ (1951) und schließlich „Singin’ in the Rain“ (1952) machten ihn zu einer Legende. Viele dieser Filme inszenierte er auch selbst oder war als Co-Regisseur beteiligt.
Sein Stil verband Jazz, Stepptanz, Ballett und modernen Tanz. Kelly betonte, er wolle für den „einfachen Mann“ tanzen, und verlieh den Choreografien eine volksnahe, sportliche Energie. Er nutzte technische Innovationen, um Tanz filmisch neu zu inszenieren: Kamerafahrten, Schnittmontagen und Animation wurden Teil seiner künstlerischen Handschrift.
Auch privat spielte das Tanzen eine zentrale Rolle. 1941 heiratete er die Schauspielerin Betsy Blair, mit der er eine Tochter hatte. Nach der Scheidung war er von 1960 bis 1973 mit der Tänzerin Jeanne Coyne verheiratet, die Mutter seiner beiden weiteren Kinder. Seine dritte Ehe schloss er 1990 mit der Schriftstellerin Patricia Ward, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte.
Gene Kelly starb am 2. Februar 1996 im Alter von 83 Jahren in Beverly Hills an den Folgen mehrerer Schlaganfälle. Sein künstlerisches Erbe ist bis heute lebendig. Neben einem Ehrenoscar 1952 für seine Beiträge zum Musicalfilm erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter den Kennedy Center Honor 1982 und den Lifetime Achievement Award des American Film Institute 1985. Für Generationen von Tänzern, Choreografen und Filmemachern bleibt er eine prägende Figur. Kelly gilt nicht nur als einer der einflussreichsten Tänzer des 20. Jahrhunderts, sondern auch als Symbol einer Ära, in der das Musical seine größte Blüte erlebte.

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