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1. September 1907 – Eröffnung des Münchner Waldfriedhofs

Am 1. September 1907 wurde im Südwesten Münchens der neue Waldfriedhof eröffnet.

Am 1. September 1907 wurde im Südwesten Münchens der neue Waldfriedhof eröffnet. Die Anlage war weit mehr als nur ein weiterer Friedhof für die schnell wachsende Stadt. Sie galt als neuartig und wurde später zum Vorbild für zahlreiche ähnliche Friedhöfe in Deutschland und darüber hinaus.

Verantwortlich für die Planung war der Münchner Stadtbaurat Hans Grässel, der das Friedhofswesen der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend neu ordnete. Für den Waldfriedhof wählte er bewusst ein anderes Konzept als bei den großen städtischen Friedhöfen mit ihren repräsentativen Gebäuden, breiten Achsen und klar gegliederten Grabfeldern.

Beim neuen Waldfriedhof sollte sich die Anlage möglichst stark an der vorhandenen Landschaft orientieren. Große Teile des Baumbestands blieben erhalten, die Wege wurden geschwungen durch den Wald geführt und die Grabfelder zwischen Baumgruppen und auf Lichtungen angelegt. Auch die Gebäude sollten sich zurückhaltend in die Umgebung einfügen. Die Natur selbst wurde damit zu einem wesentlichen Bestandteil der Friedhofsgestaltung.

Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Friedhöfe waren im 19. Jahrhundert häufig streng gegliedert und monumental gestaltet worden. Grässels Entwurf setzte dagegen auf eine ruhigere, landschaftlich wirkende Atmosphäre. Auch die Gestaltung der Grabmäler sollte diesem Gesamteindruck entsprechen. Schon vor der Eröffnung war vorgesehen, darauf zu achten, dass einzelne Denkmäler den Charakter der Anlage nicht durch übermäßige Größe oder auffällige Gestaltung störten.

Der neue Friedhof verfügte zunächst über rund 35.000 Grabstätten. Seine Trauerhalle war ebenfalls für die damalige Zeit bemerkenswert modern ausgestattet und besaß unter anderem eine Fußbodenheizung.

Mit dem Münchner Waldfriedhof entstand ein Friedhofstyp, der bald zahlreiche Nachahmer fand. Die Verbindung von Begräbnisstätte, Landschaftspark und weitgehend erhaltenem Wald wurde zu einem eigenen gestalterischen Konzept. Der Begriff „Waldfriedhof“ verbreitete sich in den folgenden Jahrzehnten weit über München hinaus.

Später wurde die Anlage mehrfach erweitert. Heute ist der Münchner Waldfriedhof der größte Friedhof der Stadt und umfasst sowohl den historischen Alten Teil als auch einen deutlich jüngeren Erweiterungsbereich.

Dass ausgerechnet ein Friedhof zu einem international beachteten Beispiel moderner Stadtplanung werden würde, war 1907 vermutlich kaum abzusehen. Doch Hans Grässels Idee, die vorhandene Natur nicht zu verdrängen, sondern zum Mittelpunkt der Anlage zu machen, erwies sich als ausgesprochen einflussreich.

Bildquellen auf dieser Seite:

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  • Sexualkunde in einem Klassenzimmer: Werner Niedermeier | Werner Niedermeier
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