Der Welthospiztag, im englischen Original World Hospice and Palliative Care Day, wird jedes Jahr am zweiten Samstag im Oktober begangen. Er ist ein internationaler Aktionstag, der auf die Bedeutung der Hospiz- und Palliativarbeit aufmerksam macht und weltweit an die Würde des Lebens bis zuletzt erinnert. Initiiert wurde der Tag im Jahr 2005 von der „Worldwide Hospice Palliative Care Alliance“, einem Zusammenschluss von Organisationen aus über hundert Ländern, die sich für eine bessere Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen einsetzen. Seither wird der Welthospiztag in allen Kontinenten mit Veranstaltungen, Gedenkaktionen und öffentlichen Kampagnen begangen.
Die Hospizbewegung selbst hat ihre Wurzeln in Großbritannien. Dort gründete die Ärztin Cicely Saunders 1967 das St. Christopher’s Hospice in London, das als Modell für eine ganzheitliche Betreuung von Sterbenden gilt. Ihr Ansatz, körperliche, seelische, soziale und spirituelle Bedürfnisse gleichberechtigt zu berücksichtigen, prägte das Verständnis moderner Palliativmedizin entscheidend. In Deutschland entstanden ab den 1980er-Jahren die ersten Hospize, zunächst aus bürgerschaftlichem Engagement. Heute gibt es bundesweit mehrere hundert stationäre Einrichtungen und Tausende ehrenamtliche Begleiter, die dazu beitragen, dass Menschen am Lebensende nicht allein sind.
Der Welthospiztag soll die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass der Tod zum Leben gehört und dass eine Gesellschaft, die Fürsorge und Mitgefühl in den Mittelpunkt stellt, auch das Sterben als Teil des Daseins begreift. In vielen Ländern wird an diesem Tag für den Zugang zu palliativmedizinischer Versorgung geworben, denn in großen Teilen der Welt fehlt sie bis heute. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation erhalten nur etwa 14 Prozent der Menschen, die eine solche Unterstützung benötigen, tatsächlich angemessene Betreuung. Millionen Schwerkranke leiden ohne ausreichende Schmerztherapie, weil Medikamente fehlen oder Palliativangebote nicht etabliert sind.
In Deutschland wird der Welthospiztag traditionell von zahlreichen Einrichtungen aufgegriffen, oft in Verbindung mit dem Deutschen Hospiztag. Hospize und Palliativstationen öffnen ihre Türen, bieten Führungen, Lesungen oder musikalische Veranstaltungen an und laden zum Austausch ein. Die Aktionen stehen jedes Jahr unter einem gemeinsamen Motto, das die Vielfalt der Hospizarbeit betont und die Idee der Solidarität bis zuletzt ins öffentliche Bewusstsein ruft.
Der Welthospiztag erinnert daran, dass Lebensqualität auch dann möglich ist, wenn keine Heilung mehr zu erwarten ist. Er ist ein Tag des Mitgefühls, der Menschlichkeit und des Nachdenkens darüber, wie eine Gesellschaft mit dem Ende des Lebens umgeht – und ein Aufruf, Sterbenden das zu geben, was sie am meisten brauchen: Nähe, Würde und Zeit.

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