Am 26. Oktober wird weltweit der Tag der Intersexuellen (Intersex Awareness Day) begangen, ein Tag, der darauf abzielt, die Menschenrechtsfragen zu beleuchten, denen Intersexuelle gegenüberstehen. Intersexuelle Menschen sind solche, die angeborene Variationen in ihren Geschlechtsmerkmalen aufweisen, die nicht den typischen Erwartungen an männlich oder weiblich entsprechen.
Der Tag der Intersexuellen geht auf das Jahr 1996 zurück, als intersexuelle Aktivisten in Boston zum ersten Mal öffentlich protestierten, um auf die medizinischen Eingriffe aufmerksam zu machen, denen intersexuelle Kinder ohne ihre Zustimmung unterzogen werden. Seitdem hat sich der Tag zu einer globalen Bewegung entwickelt, die sich für das Ende von Scham, Geheimhaltung und unerwünschten kosmetischen Genitaloperationen an intersexuellen Kindern einsetzt.
Der Tag der Intersexuellen bietet auch eine Gelegenheit für Reflexion und politisches Handeln. Zwischen dem 26. Oktober und dem 8. November organisieren intersexuelle Organisationen verschiedene Aktionen, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, denen Intersexuelle gegenüberstehen. Der 8. November ist der Geburtstag von Herculine Barbin, einer Intersexuellen aus dem 19. Jahrhundert, deren Memoiren posthum veröffentlicht wurden. Dieser Tag wird auch als Intersex Solidarity Day oder Intersex Day of Remembrance bezeichnet.
In den letzten Jahren haben intersexuelle Menschen einige wichtige Fortschritte in Bezug auf ihre Anerkennung und ihren Schutz erzielt. Zum Beispiel hat der UN-Menschenrechtsrat im Jahr 2019 eine Resolution verabschiedet, die die Staaten auffordert, Maßnahmen zu ergreifen, um Diskriminierung und Gewalt gegen Intersexuelle zu verhindern und zu bekämpfen. Außerdem haben mehrere Länder Gesetze erlassen oder geändert, um das Recht intersexueller Menschen auf Selbstbestimmung über ihre Körper und ihre Identität zu respektieren. Dazu gehören Malta, Portugal, Argentinien, Chile, Indien und Australien.
Dennoch gibt es noch viele Herausforderungen und Hindernisse für die volle Verwirklichung der Menschenrechte von Intersexuellen. Viele intersexuelle Menschen erleben immer noch Stigmatisierung, Ausgrenzung, Gewalt und medizinische Übergriffe in verschiedenen Bereichen ihres Lebens. Sie haben oft Schwierigkeiten, Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung, Bildung, Beschäftigung und rechtlicher Anerkennung zu erhalten. Sie werden auch oft unsichtbar gemacht oder falsch dargestellt in den Medien, der Kultur und der Gesellschaft im Allgemeinen.
Sind Intersexuelle auch Zwitter oder Hermaphroditen? Der Begriff “Intersexuelle” ist eine medizinische und soziale Kategorie, die Menschen beschreibt, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig als weiblich oder männlich einzuordnen sind. Der Begriff “Zwitter” oder “Hermaphrodit” ist ein Begriff, der sich auf Lebewesen bezieht, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane haben.
Einige Intersexuelle nutzen in ihren Bemühungen um gesellschaftliche Akzeptanz die Begriffe “Zwitter” oder “Hermaphrodit”, um sich zu benennen, da der Begriff “Intersexueller” gesellschaftlich wenig bekannt sei, und für sie zudem nur eine medizinische Kategorie darstelle, der sie äußerst kritisch gegenüber stünden. Andere intersexuelle Menschen lehnen diese Begriffe jedoch ab, da sie sie als ungenau, stigmatisierend oder biologisierend empfinden.
Der Begriff „Hermaphroditen“ stammt von Hermaphroditos, einer Figur aus der griechischen Mythologie, die aus der Vereinigung von Hermes und Aphrodite entstand. Hermaphroditen haben in verschiedenen Kulturen und Epochen unterschiedliche Bedeutungen und Reaktionen hervorgerufen. In der Antike galten sie als Symbole für Fruchtbarkeit, Schönheit oder Göttlichkeit, aber auch als Zeichen für Unordnung, Verwirrung oder Fluch. In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaft wurden sie oft als Bedrohung für die Geschlechterordnung angesehen und mussten sich einem Geschlecht anpassen oder wurden verfolgt und ausgegrenzt In der Moderne wurden sie zu Objekten der medizinischen und wissenschaftlichen Untersuchung und Klassifikation, die oft mit Eingriffen oder Therapien verbunden waren, um ihre Geschlechtsambiguität zu beseitigen oder zu verbergen.
Es gibt also keinen klaren Unterschied zwischen Intersexuellen und Zwittern bzw. Hermaphroditen, sondern es handelt sich um verschiedene Bezeichnungen für Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsmerkmalen. Die Wahl des Begriffs hängt von der persönlichen Präferenz und dem Kontext ab. Übrigens: Intersexuelle sind keine Transsexuellen und viele Intersexuelle wollen sich auch nicht von Modeformen wie „queer“ vereinnahmen lassen.
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