Am 30. März 1867 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und das Russische Kaiserreich ein Abkommen, das die Landkarte Nordamerikas dauerhaft verändern sollte: Für 7,2 Millionen US-Dollar verkauften die Russen Alaska an die USA. Was damals als fragwürdiger Kauf verspottet wurde, entpuppte sich später als geopolitischer und wirtschaftlicher Glücksgriff.
Russland hatte Alaska seit dem 18. Jahrhundert besiedelt und wirtschaftlich genutzt, insbesondere durch den Pelzhandel. Doch die geografische Entfernung, die Schwierigkeiten bei der Versorgung und der zunehmende Druck durch das expandierende Britische Empire in Kanada machten die Region schwer zu halten. Nach dem Krimkrieg (1853–1856) war Russland finanziell angeschlagen und wollte sich auf seine europäischen Kerngebiete konzentrieren.
Auf amerikanischer Seite war die Expansion nach Westen in vollem Gange. Außenminister William H. Seward war überzeugt, dass Alaska wirtschaftliches Potenzial habe und strategisch wichtig sei. Trotz Skepsis im Kongress und in der Bevölkerung, das Gebiet wurde als „Seward’s Folly“ (Sewards Torheit) verspottet, wurde der Kauf am 30. März 1867 beschlossen. Der Vertrag wurde vom US-Senat ratifiziert, und am 18. Oktober desselben Jahres erfolgte die offizielle Übergabe in Sitka.
Zunächst wurde Alaska kaum beachtet. Die Region schien wild, abgelegen und wirtschaftlich uninteressant. Erst mit dem Klondike-Goldrausch Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das Bild. Plötzlich strömten Tausende Goldsucher in das neue amerikanische Territorium. Weitere Rohstoffvorkommen, darunter Kupfer, Zink, Kohle und später Erdöl, machten Alaska zunehmend attraktiv.
1959 wurde Alaska schließlich der 49. Bundesstaat der USA. Die Bedeutung des Territoriums wuchs, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch. Während des Kalten Krieges diente Alaska als strategischer Vorposten gegenüber der Sowjetunion; nirgendwo sonst kommen sich Russland und die USA geografisch so nah wie hier.
Heute ist Alaska ein Symbol für unberührte Natur, extreme Wetterbedingungen und reiche Rohstoffvorkommen. Die Öl- und Gasförderung, vor allem in der Region um Prudhoe Bay, ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Gleichzeitig sorgt sie für Diskussionen über Umweltschutz und die Rechte der dortigen Bevölkerung.
Auch geopolitisch bleibt Alaska relevant. Angesichts der Veränderungen in der Arktis, etwa durch das Abschmelzen des Eises, wächst das Interesse an neuen Handelsrouten und Rohstoffen. Alaska wird zunehmend als Teil der „arktischen Zukunft“ der USA gesehen.
Was 1867 als überteuerter Landkauf belächelt wurde, gilt heute als einer der klügsten politischen Deals in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Für rund zwei Cent pro Hektar sicherten sich die USA ein Gebiet, das nicht nur reich an Rohstoffen ist, sondern auch eine Schlüsselrolle im arktischen und pazifischen Raum spielt.

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