Am 23. Mai 1826 ließ Maria Clementine Martin in Köln ihr Unternehmen eintragen. Aus dem kleinen Herstellungsbetrieb am Dom wurde später die Marke Klosterfrau, die vor allem durch Klosterfrau Melissengeist bekannt wurde.
Klosterfrau ist ursprünglich der Name eines Kölner Unternehmens für Arznei- und Gesundheitsprodukte. Der Name verweist auf die Gründerin: Maria Clementine Martin war früher Nonne und wurde im Alltag als „Klosterfrau“ wahrgenommen. Das bekannte Mittel heißt tatsächlich Klosterfrau Melissengeist. „Melissengeist“ bezeichnet ein alkoholisches Kräuterdestillat, dessen wichtigste Pflanze die Zitronenmelisse ist. Solche Melissenwässer waren lange vor Martin bekannt; sie griff diese Tradition auf, stellte ihr eigenes Melissenwasser her und vermarktete es erfolgreich in Köln.
Maria Clementine Martin war bei der Gründung bereits etwa 50 Jahre alt. Geboren 1775 in Brüssel, war sie als junge Frau in ein Kloster in Coesfeld eingetreten und hatte dort den Ordensnamen Maria Clementine angenommen. Die Säkularisation beendete ihr Klosterleben; wie viele ehemalige Ordensleute musste sie sich danach eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen. Nach Stationen in Westfalen kam sie 1825 nach Köln. Dort warb sie zunächst für ein von ihr hergestelltes Eau de Cologne. Erst im Umfeld der Unternehmensgründung trat der Melissengeist stärker in den Vordergrund.
Die spätere Firmengeschichte erzählt gern von der Nonne, die altes Klosterwissen in ein Heilmittel verwandelte. Historisch ist dieses Bild nur mit Vorsicht zu verwenden. Melissengeist und ähnliche Kräuterdestillate waren im 19. Jahrhundert bereits bekannt. Martins Leistung lag weniger in einer völlig neuen Erfindung als in Herstellung, Vermarktung und Durchsetzung am Markt.
Entscheidend war dabei ihr Sinn für Autorität und Markenschutz. 1829 erhielt sie die Erlaubnis, ihre Waren mit dem preußischen Adler zu kennzeichnen. Dieses Zeichen verlieh dem Produkt eine amtliche Anmutung und hob es von Konkurrenzprodukten ab. Später hinterlegte sie Fabrikzeichen beim Kölner Rat der Gewerbeverständigen, einem frühen Schritt in Richtung Markenschutz.
Aus dem kleinen Kölner Betrieb wurde im Lauf von zwei Jahrhunderten eine internationale Unternehmensgruppe. Nach Maria Clementine Martins Tod führten Nachfolger die Firma weiter, bauten den Vertrieb aus und machten Klosterfrau Melissengeist zu einem der bekanntesten deutschen Arzneimittel. Später kamen weitere Gesundheitsprodukte, freiverkäufliche Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetikmarken hinzu. Heute firmiert das Unternehmen als Klosterfrau Healthcare Group, hat seinen operativen Schwerpunkt weiterhin in Köln und ist an mehreren nationalen und internationalen Standorten tätig. Damit steht Klosterfrau nicht nur für ein traditionsreiches Produkt, sondern auch für eine Firmengeschichte, die von früher Markenbildung über pharmazeutische Selbstmedikation bis zur modernen Gesundheitsbranche reicht.
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