Am 6. Juni 1710 begann in der Albrechtsburg in Meißen die Produktion des ersten europäischen Hartporzellans. Aus einem streng bewachten höfischen Geheimprojekt wurde damit eine Manufaktur, deren Name bis heute für Kunsthandwerk, Luxus und technische Meisterschaft steht.
Der entscheidende Durchbruch war bereits 1708 gelungen, als Johann Friedrich Böttger, gestützt auf Vorarbeiten von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und weiteren Fachleuten, das europäische Hartporzellan entwickelte. August der Starke hatte nicht nur ein wirtschaftliches Ziel, sondern auch ein politisches: Sachsen sollte unabhängig vom teuren Importporzellan aus Ostasien werden und zugleich höfischen Glanz gewinnen.
Die Gründung der Manufaktur erfolgte im Januar 1710; der Produktionsbeginn am 6. Juni machte aus der Erfindung ein Unternehmen. In der Albrechtsburg wurde das Wissen streng gehütet. Porzellan war damals ein Macht- und Prestigegut, das an Fürstenhöfen gesammelt, verschenkt und ausgestellt wurde.
Im 18. Jahrhundert erlebte Meissen seine erste große Blüte. Unter Johann Gregorius Höroldt entwickelte sich die Porzellanmalerei, während Johann Joachim Kaendler mit Figuren, Tierplastiken und Tafelaufsätzen Maßstäbe setzte. Seit 1722 kennzeichnen die gekreuzten Schwerter das Porzellan aus Meißen; sie gehören zu den ältesten bis heute verwendeten Marken der Welt.
Nach Kriegen, wirtschaftlichen Krisen und wechselnden Stilrichtungen blieb die Manufaktur ein Symbol sächsischer Handwerkskunst. Im 19. Jahrhundert zog sie aus der Albrechtsburg ins Triebischtal, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Nach dem Ende der Monarchie wurde sie 1918 verstaatlicht, in der DDR als Volkseigener Betrieb weitergeführt und nach der Wiedervereinigung 1991 in die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH umgewandelt.
Heute gehört Meissen dem Freistaat Sachsen. Die Manufaktur fertigt weiterhin Porzellan in Handarbeit, darunter Figuren, Vasen, Service, Schmuck und Kunstobjekte. Zugleich muss sie sich auf einem schwierigen Luxusmarkt behaupten, in dem große Tafelservice weniger selbstverständlich sind als früher. Der 6. Juni 1710 bleibt deshalb mehr als ein historisches Datum: Er markiert den Moment, in dem Europa sein eigenes „weißes Gold“ zu produzieren begann.
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