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18. Juli 1909 – Rennbahnkatastrophe von Berlin

Am 18. Juli 1909 endete die Eröffnung der Berliner Radrennbahn „Botanischer Garten“ in einer Katastrophe. Bei einem Steherrennen geriet eine schwere Schrittmachermaschine außer Kontrolle.

Am 18. Juli 1909 endete die Eröffnung der Berliner Radrennbahn „Botanischer Garten“ in einer Katastrophe. Bei einem Steherrennen geriet eine schwere Schrittmachermaschine außer Kontrolle, wurde über die Begrenzung der Bahn geschleudert und stürzte in die dicht besetzten Zuschauerränge. Neun Menschen kamen ums Leben, mehr als 40 wurden schwer verletzt. Das Unglück gilt als eine der schwersten Katastrophen in der Geschichte des deutschen Radsports.

Die neue Rennbahn lag auf dem Gelände des früheren Botanischen Gartens an der Potsdamer Straße in Schöneberg, ungefähr am heutigen Heinrich-von-Kleist-Park. Die vollständig aus Holz gebaute, 333 Meter lange Bahn war vor allem für Steherrennen bestimmt. Bei dieser damals äußerst beliebten Sportart fuhren Radrennfahrer im Windschatten schwerer Motorräder oder motorisierter Tandems. Dadurch konnten sie Geschwindigkeiten von 80 bis 100 Kilometern pro Stunde erreichen.

Schon während der Trainingsfahrten hatte sich gezeigt, dass der kurz zuvor mit einem öligen Holzschutzmittel behandelte Bahnbelag noch nicht vollständig trocken war. Die Reifen der Maschinen wirbelten Tropfen auf; mehrere Fahrer trugen deshalb Schutzbrillen. Ob der glatte Belag später tatsächlich zum Unglück beitrug, ließ sich jedoch nicht zweifelsfrei klären.

Das Hauptrennen begann am späten Nachmittag. Nach rund 20 Kilometern stürzte der Schrittmacher Werner Krüger mit seiner Maschine. Als Ursache wurde ein geplatzter Hinterreifen vermutet. Der unmittelbar folgende Schrittmacher Emil Borchardt versuchte auszuweichen. Dabei geriet sein schweres Motorrad auf der stark geneigten Bahn nach außen und raste zur Zuschauerbrüstung hinauf. Die Maschine wurde über die Begrenzung geschleudert und flog in die Menschenmenge.

Beim Aufprall barst der Benzintank. Der auslaufende Treibstoff entzündete sich sofort; Flammen erfassten Zuschauer, Kleidung und Teile der Holzkonstruktion. Mehrere Menschen wurden unter der Maschine begraben oder erlitten schwerste Verbrennungen. Andere Besucher versuchten, die Eingeklemmten zu befreien und brennende Kleidungsstücke zu löschen.

Die Rettungsarbeiten wurden durch mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen erschwert. Zeitgenössische Berichte kritisierten, dass auf der neu eröffneten Anlage weder genügend Tragbahren noch ausreichende Löschmittel und Sanitätseinrichtungen bereitstanden. Sechs Opfer starben noch auf der Rennbahn, weitere später im Krankenhaus. Einige Quellen nennen wegen späterer Todesfälle eine noch höhere Zahl; meist wird jedoch von neun Toten ausgegangen.

Nach der Katastrophe untersagte das preußische Innenministerium Rennen mit Motorschrittmachern zunächst. Wenige Wochen später wurden sie unter verschärften Sicherheitsauflagen wieder zugelassen. Die Rennbahn selbst bestand nur kurze Zeit. Bereits 1910 wurde sie abgebaut und an anderer Stelle wiedererrichtet.

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