Der Esperanto-Tag (Esperanto Day) wird jedes Jahr am 26. Juli gefeiert. Das Datum erinnert an die Veröffentlichung des „Unua Libro“, des ersten Lehrbuchs der Plansprache Esperanto. Es erschien am 26. Juli 1887 in Warschau und gilt als Ausgangspunkt der internationalen Esperanto-Bewegung.
Entwickelt wurde die Sprache von Ludwik Lejzer Zamenhof, einem jüdischen Augenarzt, der 1859 in Białystok geboren wurde. Die damals zum Russischen Reich gehörende Stadt war von verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Sprachen und Religionen geprägt. Konflikte zwischen Polen, Russen, Deutschen und Juden gehörten zum Alltag. Zamenhof war überzeugt, dass sprachliche Verständigung dazu beitragen könne, Vorurteile abzubauen und das Zusammenleben zu erleichtern.
Sein Lehrbuch veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Doktoro Esperanto“. Das Wort „Esperanto“ bedeutet auf Deutsch „ein Hoffender“. Ursprünglich bezeichnete es nur den Verfasser des Buches, wurde jedoch bald zum Namen der neuen Sprache. Zamenhof verstand Esperanto nicht als Ersatz für die jeweiligen Muttersprachen. Es sollte vielmehr als neutrale internationale Zweitsprache dienen, die keinem einzelnen Staat oder Volk gehörte.
Esperanto besitzt eine weitgehend regelmäßige Grammatik. Jedes Schriftzeichen entspricht grundsätzlich einem Laut, Ausnahmen bei der Konjugation oder Deklination gibt es kaum. Neue Begriffe lassen sich mithilfe von Vorsilben, Nachsilben und Wortverbindungen bilden. Ein großer Teil des Wortschatzes geht auf romanische und germanische Sprachen zurück; hinzu kommen Einflüsse aus slawischen Sprachen.
Die neue Sprache verbreitete sich bereits wenige Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Lehrbuchs in zahlreichen Ländern. 1905 fand im französischen Boulogne-sur-Mer der erste Esperanto-Weltkongress statt. Dort wurde mit dem „Fundamento de Esperanto“ eine verbindliche sprachliche Grundlage anerkannt. Drei Jahre später entstand der Esperanto-Weltbund, der bis heute internationale Kongresse, kulturelle Projekte und den Austausch zwischen den nationalen Verbänden unterstützt.
Esperanto konnte sich zwar nicht als allgemeine Weltsprache durchsetzen, entwickelte jedoch eine eigenständige internationale Kultur. Es erschienen Romane, Gedichte, Zeitschriften und Übersetzungen bedeutender Werke. Hinzu kamen Theaterstücke, Musik, Rundfunksendungen und später zahlreiche Angebote im Internet. Die Sprache wird heute auf internationalen Treffen, bei privaten Kontakten, auf Reisen und in digitalen Gemeinschaften verwendet.
Der Esperanto-Tag erinnert deshalb nicht nur an die Veröffentlichung eines Sprachlehrbuchs. Er steht auch für Zamenhofs Vorstellung, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft einander auf sprachlich gleichberechtigter Grundlage begegnen können. Davon zu unterscheiden ist der Zamenhof-Tag am 15. Dezember, dem Geburtstag des Sprachschöpfers.

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