Am 26. August 1956 lag die erste Ausgabe der BRAVO an den westdeutschen Kiosken. 40 Seiten kosteten damals 50 Pfennig, auf dem Titelbild war Marilyn Monroe zu sehen. Unter dem Untertitel „Die Zeitschrift für Film und Fernsehen“ richtete sich das Heft zunächst noch deutlich stärker an Filmfans als an Teenager. Doch schon bald entwickelte sich daraus jene Jugendzeitschrift, die über Jahrzehnte hinweg Generationen begleiten sollte. Heute wird die BRAVO 70 Jahre alt.
Die BRAVO wurde schnell zu einem Spiegel ihrer jeweiligen Zeit. In den späten 1950er Jahren waren es zunächst Stars wie James Dean, Elvis Presley oder Peter Kraus, die das Bild bestimmten. Mit dem Aufstieg der Popmusik verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend von Film und Fernsehen auf Musik und Jugendkultur. Spätestens mit den Beatles war dieser Wandel endgültig vollzogen. 1966 holte die Zeitschrift die Band sogar für die sogenannte BRAVO Blitztournee nach Deutschland.
Viele Elemente, die heute fast selbstverständlich zur Erinnerung an die Zeitschrift gehören, entstanden schon früh. 1957 wurde erstmals der Leserpreis BRAVO Otto vergeben. 1959 erschien der erste Starschnitt, damals mit Brigitte Bardot. Die über mehrere Hefte verteilten Poster wurden ausgeschnitten und zusammengesetzt und verwandelten so manches Jugendzimmer in eine private Galerie der Lieblingsstars.
Besonders prägend wurde jedoch ein anderes Thema. 1962 begann die BRAVO mit der Aufklärungsserie „Knigge für Verliebte“. Später wurde daraus das berühmte Dr. Sommer Team, das über Liebe, Sexualität, Körper und Beziehungen informierte. Für viele Jugendliche waren diese Seiten über Jahrzehnte eine der wenigen leicht zugänglichen Möglichkeiten, Fragen zu stellen, die man Eltern, Lehrern oder Freunden nicht stellen wollte. Gerade deshalb gehört dieser Bereich zu den wirkungsmächtigsten, aber auch zu den heute kritisch betrachteten Teilen der BRAVO Geschichte.
In ihrer erfolgreichsten Zeit war die BRAVO weit mehr als eine Zeitschrift. Sie bestimmte mit, welche Stars Jugendliche kannten, welche Bands groß wurden und welche Poster an den Wänden hingen. Foto Love Storys, Leserbriefe, Tests, Starschnitte und Berichte aus der Popwelt gehörten für viele Leser fest zum Alltag.
Mit dem Internet und später den sozialen Medien veränderte sich diese Rolle grundlegend. Musik, Stars und persönliche Ratschläge waren plötzlich jederzeit online verfügbar. Die gedruckte BRAVO verlor damit einen großen Teil ihrer früheren Bedeutung. Verschwunden ist die Marke jedoch nicht. Heute erscheinen weiterhin Printausgaben, während ein großer Teil der Inhalte über digitale Kanäle und soziale Netzwerke verbreitet wird. Die BRAVO selbst beschreibt diesen Wandel als Verschiebung hin zu Social Media und zur Nutzung durch eine neue Generation.
Wer heute durch alte BRAVO Ausgaben blättert, liest deshalb nicht nur Geschichten über längst vergessene Teenageridole. Die Hefte erzählen auch davon, wie sich Jugendbilder, Sprache, Mode, Sexualität und Vorstellungen vom Erwachsenwerden verändert haben.
Nach 70 Jahren ist die BRAVO damit längst selbst ein Stück deutscher Mediengeschichte geworden. Kaum eine andere Zeitschrift hat über einen so langen Zeitraum versucht, immer wieder neu herauszufinden, was Jugendliche beschäftigt. Und wahrscheinlich gibt es nur wenige Magazine, bei deren Namen so viele Menschen sofort an Poster an der Wand, heimlich gelesene Dr. Sommer Seiten und den wöchentlichen Gang zum Kiosk denken.

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- Wolfgang_Sawallisch_1988-CC-BY-SA-40: Andrea Riegel (Düsseldorf) | CC BY-SA 4.0 International