Am 27. August 1955 erschien in Großbritannien die erste Ausgabe des „Guinness Book of Records“. Die Idee dazu hatte Sir Hugh Beaver, damals Geschäftsführer der Guinness-Brauerei. Bei einer Jagdgesellschaft in Irland war er in eine Debatte darüber geraten, welcher europäische Jagdvogel eigentlich der schnellste sei. Eine eindeutige Antwort ließ sich nicht finden. Beaver kam auf die Idee, dass ein Nachschlagewerk für genau solche Fragen nützlich sein könnte, zumal Diskussionen über Rekorde und Superlative in Pubs ohnehin zum Alltag gehörten.
Für die Umsetzung wandte sich Guinness an die Zwillingsbrüder Norris und Ross McWhirter, die in London eine Agentur für Fakten und Statistiken betrieben. Sie sammelten, prüften und ordneten Tausende Angaben aus Sport, Natur, Technik und menschlichen Leistungen. Daraus entstand die erste Ausgabe des „Guinness Book of Records“.
Das Buch war zunächst tatsächlich als Werbemittel für die Guinness-Brauerei gedacht und wurde kostenlos an Pubs verteilt. Doch schon die erste Ausgabe entwickelte sich zu einem unerwarteten Erfolg. Noch im selben Jahr stand sie weit oben auf den britischen Bestsellerlisten.
Aus dem Nachschlagewerk wurde in den folgenden Jahrzehnten ein weltweites Phänomen. Die Themen gingen längst über klassische sportliche oder naturwissenschaftliche Rekorde hinaus. Neben dem größten, schnellsten, ältesten oder schwersten Exemplar einer Sache fanden zunehmend auch kuriose menschliche Leistungen Eingang in die Bücher. Manche Rekordversuche sind beeindruckend, andere ausgesprochen eigenartig.
Dabei genügt es nicht, einfach eine außergewöhnliche Behauptung aufzustellen. Guinness World Records hat heute genaue Regeln dafür, welche Rekorde anerkannt werden können und wie sie nachgewiesen werden müssen. Leistungen müssen messbar, überprüfbar und vergleichbar sein. Bestimmte gefährliche oder ethisch problematische Kategorien werden inzwischen gar nicht mehr zugelassen.
Auch das Buch selbst hat längst Rekordstatus erreicht. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gehört zu den weltweit bekanntesten Nachschlagewerken. Fernsehen, Internet und soziale Medien haben das klassische Buch zwar ergänzt, aber nicht verdrängt. Noch immer erscheint jedes Jahr eine neue Ausgabe.
71 Jahre nach der ersten Veröffentlichung hat sich also einiges verändert. Die ursprüngliche Idee ist jedoch dieselbe geblieben: eine verlässliche Antwort auf die Frage zu finden, wer oder was tatsächlich das Größte, Schnellste, Längste, Älteste oder schlicht Außergewöhnlichste ist.
Bild: Canva | CanvaBildquellen auf dieser Seite:
- World Record Grafik – Canva: Canva | Canva
- Logo Quick_(Magazine): Gemeinfrei | Gemeinfrei