Am 8. September 1930 wurde Mario Adorf geboren. Über Jahrzehnte gehörte er zu den markantesten Schauspielern des deutschen Films und Fernsehens und machte sich zugleich international einen Namen. Am 8. September 2026 wäre er 96 Jahre alt geworden. Adorf starb wenige Monate zuvor, am 8. April 2026, im Alter von 95 Jahren in Paris.
Mario Adorf kam in Zürich als Sohn der Deutschen Alice Adorf und des italienischen Arztes Matteo Menniti zur Welt. Seinen Vater sah er nur einmal. Aufgewachsen ist er bei seiner Mutter in Mayen in der Eifel, wo beide in einfachen Verhältnissen lebten. Nach dem Abitur begann Adorf 1950 an der Universität Mainz ein Studium und belegte unter anderem Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften. Später wechselte er nach Zürich, arbeitete am dortigen Schauspielhaus als Statist und Regieassistent und entschied sich schließlich endgültig für die Schauspielerei.
Ab 1953 besuchte Adorf die Otto-Falckenberg-Schule in München. Anschließend gehörte er bis 1962 zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Seine erste kleine Filmrolle erhielt er 1954 in „08/15“. Den Durchbruch brachte ihm 1957 Robert Siodmaks Film „Nachts, wenn der Teufel kam“. Darin spielte er Bruno Lüdke, der damals als Serienmörder dargestellt wurde. Für seine Leistung erhielt Adorf den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsdarsteller. Später stellte sich heraus, dass Lüdke die ihm zugeschriebenen Morde nicht begangen hatte und selbst Opfer der nationalsozialistischen Polizei und SS geworden war. Adorf beteiligte sich Jahrzehnte später an der filmischen Aufarbeitung dieses Justiz- und Polizeiskandals.
Eine seiner bekanntesten frühen Rollen spielte er 1963 als Bandit Santer in „Winnetou I“. Bereits Anfang der 1960er Jahre hatte Adorf seine Karriere zunehmend nach Italien verlagert. Dort und in anderen europäischen Ländern entwickelte er sich zu einem international gefragten Charakterdarsteller. Er arbeitete mit Regisseuren wie Sam Peckinpah, Sergio Corbucci, Billy Wilder, John Frankenheimer und Claude Chabrol.
Auch im deutschen Autorenkino der 1970er und 1980er Jahre war Adorf regelmäßig zu sehen. Er spielte unter anderem in Volker Schlöndorffs „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Die Blechtrommel“ sowie in Rainer Werner Fassbinders „Lola“. Dabei bewies er immer wieder seine Vielseitigkeit. Adorf konnte bedrohliche und brutale Figuren ebenso überzeugend darstellen wie komische, melancholische oder liebenswerte Charaktere.
Einem Millionenpublikum wurde er auch durch das Fernsehen bekannt. 1985 spielte er in „Via Mala“ den tyrannischen Familienvater Jonas Lauretz. Unvergessen blieb seine Rolle als großspuriger Unternehmer Heinrich Haffenloher in Helmut Dietls Fernsehserie „Kir Royal“. In den 1990er Jahren folgten weitere große Erfolge mit Produktionen wie „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“ und „Rossini“.
Bis ins hohe Alter stand Adorf vor der Kamera. Er spielte unter anderem in „Der letzte Mentsch“ und „Altersglühen“ und kehrte 2016 für eine Neuverfilmung von „Winnetou“ noch einmal in die Welt Karl Mays zurück. 2018 erfüllte er sich mit der Darstellung von Karl Marx einen lange gehegten Wunsch. Insgesamt wirkte Mario Adorf in rund 220 Film- und Fernsehproduktionen mit.
Neben der Schauspielerei veröffentlichte er mehrere autobiografische Bücher und Erzählungen und trat mit eigenen Bühnenprogrammen auf. Für sein umfangreiches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. 2004 wurde ihm der Deutsche Filmpreis für sein Lebenswerk verliehen, später folgten weitere Ehrungen, darunter der Bayerische Filmpreis und 2024 der Deutsche Fernsehpreis für sein Lebenswerk.
Mario Adorf lebte viele Jahre in Italien und später gemeinsam mit seiner Frau Monique Faye unter anderem in München und Paris. Auch im hohen Alter nahm er öffentlich Stellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen und warnte vor Geschichtsvergessenheit und Gefahren für die Demokratie.
Am 8. April 2026 starb Mario Adorf nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris. Seine Karriere hatte sich über rund sieben Jahrzehnte erstreckt. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, seiner starken Leinwandpräsenz und seiner außergewöhnlichen Wandlungsfähigkeit prägte er den deutschsprachigen Film wie nur wenige Schauspieler seiner Generation.
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