Am 8. September wird weltweit der Weltalphabetisierungstag begangen, ein Gedenk- und Aktionstag, der die Aufmerksamkeit auf ein Grundrecht lenken soll, das vielen Menschen bis heute verwehrt bleibt: das Recht auf Lesen und Schreiben. Eingeführt wurde dieser Tag im Jahr 1966 von der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Ziel war und ist es, auf die Bedeutung der Alphabetisierung für Individuen und Gesellschaften aufmerksam zu machen und die Anstrengungen zur Bekämpfung des Analphabetismus zu verstärken.
Der Anlass zur Einführung des Tages war die Weltkonferenz der Bildungsminister 1965 in Teheran, bei der Alphabetisierung als zentrales Instrument für Entwicklung und soziale Teilhabe erkannt wurde. Seitdem ist der 8. September ein fester Termin im internationalen Kalender für Bildungsinitiativen, Regierungsprogramme, zivilgesellschaftliche Projekte und öffentliche Diskussionen.
Weltweit können laut UNESCO nach wie vor rund 770 Millionen Erwachsene nicht lesen und schreiben, etwa zwei Drittel davon sind Frauen. Auch in Deutschland leben schätzungsweise mehr als sechs Millionen Menschen, die Schwierigkeiten haben, einfache Texte zu verstehen oder zu verfassen, ein Umstand, der meist aus Scham verschwiegen wird und den Betroffenen den Zugang zu Ausbildung, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe erschwert.
Der Weltalphabetisierungstag 2025 steht unter dem Motto: „Promoting literacy for a world in transition: Building the foundation for sustainable and peaceful societies“ sinngemäß übersetzt: „Alphabetisierung in einer Welt im Wandel fördern: Die Grundlage für nachhaltige und friedliche Gesellschaften schaffen“. Damit rückt die UNESCO die Rolle der Schriftkompetenz in den Fokus, wenn es um Stabilität, demokratische Mitgestaltung und globale Entwicklung geht. In Zeiten von Desinformation, digitaler Spaltung und wachsender sozialer Ungleichheit ist Alphabetisierung weit mehr als nur eine schulische Kompetenz; sie ist ein Schlüssel zur Selbstbestimmung und zur Mitgestaltung der Zukunft.
Gerade in technologisch fortgeschrittenen Gesellschaften wird häufig übersehen, dass Alphabetisierung nicht allein die Fähigkeit meint, Buchstaben zu erkennen. Gemeint ist die funktionale Alphabetisierung, also die Fähigkeit, schriftliche Informationen im Alltag sinnvoll nutzen zu können. Programme zur Alphabetisierung müssen daher auch kulturelle und digitale Kompetenzen einbeziehen, um wirklich wirksam zu sein.
Der Weltalphabetisierungstag erinnert daran, dass Bildung nicht bei der Schulpflicht endet und dass es eine gemeinsame Aufgabe ist, jedem Menschen die Chance zu geben, sich durch Sprache, Schrift und Wissen in der Welt zurechtzufinden.

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