Die Deutsche Bank wurde am 10. März 1870 gegründet. An diesem Tag erhielt das Institut in Preußen seine Banklizenz; dieses Datum gilt allgemein als offizieller Gründungstag. Vorausgegangen war die Annahme der Satzung am 22. Januar 1870, den Geschäftsbetrieb nahm das Institut am 9. April 1870 in Berlin auf. Gegründet wurde die Bank mit dem Ziel, den deutschen Außenhandel zu finanzieren und deutschen Unternehmen im internationalen Geschäft mehr Unabhängigkeit von britischen und französischen Banken zu verschaffen.
Damit entstand die Deutsche Bank in einer Phase des wirtschaftlichen Aufbruchs, noch vor der Reichsgründung von 1871. Sie verstand sich von Beginn an nicht als klassische lokale Bank, sondern als Institut mit internationalem Anspruch. Schon in den ersten Jahren baute sie Auslandsverbindungen auf; 1873 eröffnete sie eine Filiale in London. In den folgenden Jahrzehnten begleitete sie die Industrialisierung des Deutschen Reiches, beteiligte sich an der Finanzierung von Industrie, Handel und Infrastruktur und wurde zu einem der prägenden Geldhäuser des Landes.
Im Kaiserreich und in der frühen Weimarer Republik wuchs die Bank stark. Sie weitete ihr Geschäft im In und Ausland aus und wurde zu einem wichtigen Finanzierer großer Industrieunternehmen. Einen tiefen Einschnitt brachte das Jahr 1929, als sie mit der Disconto Gesellschaft fusionierte. Diese Verbindung war damals der größte organisatorische Wendepunkt in ihrer Geschichte und stärkte ihre Stellung im deutschen Bankwesen weiter.
Das dunkelste Kapitel begann 1933 mit der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach eigener historischer Aufarbeitung wurde die Deutsche Bank in dieser Zeit zu einem Werkzeug des NS Staates und war in das System von Enteignung, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Verfolgung eingebunden. Besonders belastend war die spätere Feststellung, dass die Bank über ihre Filiale in Kattowitz Bauarbeiten in Auschwitz mitfinanziert hatte. Dass das Institut seine Rolle in der NS Zeit später wissenschaftlich untersuchen ließ, ändert nichts an der historischen Verantwortung; es zeigt aber, dass dieser Teil der eigenen Geschichte nicht mehr verdrängt werden soll.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die alte Deutsche Bank zerschlagen. Erst in den fünfziger Jahren kam es schrittweise zur Neuordnung. Die heutige Deutsche Bank AG entstand 1957 durch den Zusammenschluss regionaler Nachfolgeinstitute; die Eintragung im Handelsregister von Frankfurt am Main erfolgte am 2. Mai 1957. Damit verlagerte sich das Zentrum der Bank dauerhaft von Berlin nach Frankfurt, wo sich bis heute der Hauptsitz befindet.
Seit den sechziger und siebziger Jahren baute die Bank ihr internationales Geschäft erneut aus. Später folgte der Aufstieg zur globalen Investmentbank. Wichtige Schritte waren die Übernahme von Morgan Grenfell 1989 und der Erwerb von Bankers Trust, der 1999 abgeschlossen wurde. Mit dieser Expansion gewann die Deutsche Bank vor allem in London und New York deutlich an Gewicht. 2001 begann zudem die Notierung an der New Yorker Börse. Aus einer deutschen Handelsbank war damit endgültig ein weltweit tätiger Finanzkonzern geworden.
Dieser internationale Ausbau brachte Größe und Einfluss, aber auch Risiken. In der Finanzkrise von 2007 und 2008 sowie in den Jahren danach geriet die Deutsche Bank immer wieder wegen Altlasten, Rechtsstreitigkeiten, hoher Kosten und strategischer Fehlentwicklungen unter Druck. Hinzu kamen teure Verfahren und Strafen im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften, Zinsmanipulationen und anderen Altgeschäften. Die lange umstrittene Übernahme der Postbank sollte das Privatkundengeschäft stärken, zog jedoch noch Jahre später juristische und finanzielle Folgen nach sich. Selbst 2024 belastete ein hoher Rückstellungsbedarf im Postbank Komplex das Ergebnis erneut.
Ein neuer Einschnitt folgte 2019. Damals kündigte die Bank eine grundlegende Transformation an, zog sich aus Teilen des Aktienhandels zurück, ordnete ihre Geschäftsbereiche neu und setzte auf Kostensenkungen, Technikinvestitionen und eine stärkere Konzentration auf Kerngeschäfte. Diese Neuaufstellung sollte ein Institut stabilisieren, das jahrelang zwischen globalem Anspruch und schwacher Ertragskraft geschwankt hatte. Die Strategie markierte den Versuch, die Deutsche Bank wieder berechenbarer, effizienter und kapitalstärker zu machen.
Heute präsentiert sich die Deutsche Bank als führende Bank Deutschlands mit starkem europäischen Fundament und weltweitem Netzwerk. Nach den zuletzt verfügbaren offiziellen Jahreszahlen für 2024 erzielte der Konzern 30,1 Milliarden Euro Erträge. Für 2025 meldete die Bank vorläufige Rekordwerte von 32,1 Milliarden Euro Erträgen und damit einen deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Zugleich stellte sie eine neue Strategie bis 2028 vor, die weiteres Wachstum, höhere Renditen und eine deutlich verbesserte Kostenstruktur anstrebt.
So zeigt die Geschichte der Deutschen Bank in ungewöhnlicher Deutlichkeit die Spannungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Sie reicht von nationalem Aufbruch über internationale Expansion, politische Verstrickung und Nachkriegsneuaufbau bis zu Globalisierung, Krise und erneuter Neujustierung. Die Gründung am 10. März 1870 war der Anfang eines Hauses, das die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands über viele Epochen hinweg nicht nur begleitet, sondern vielfach mitgeprägt hat; bis heute bleibt die Deutsche Bank ein Institut, an dem sich Stärke und Verletzlichkeit des Finanzplatzes Deutschland besonders klar ablesen lassen.
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