Am 13. März 1991 wurde in Baden-Baden die ARTE Deutschland TV GmbH gegründet. Diese Gesellschaft bildet den deutschen Teil des europäischen Kultursenders ARTE und wurde von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF gemeinsam ins Leben gerufen. Sie entstand als deutsches Gegenstück zum französischen Partner La SEPT, der später zu ARTE France wurde. Gemeinsam tragen beide Organisationen bis heute die Verantwortung für Programm, Finanzierung und inhaltliche Ausrichtung des Senders.
Die Entstehung von ARTE geht auf politische Initiativen der späten achtziger Jahre zurück. Der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl unterstützten die Idee eines gemeinsamen Kulturkanals, der die kulturelle Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern vertiefen und zugleich die europäische Verständigung fördern sollte. Grundlage dafür war ein zwischenstaatlicher Vertrag, der am 2. Oktober 1990 zwischen Frankreich und den deutschen Bundesländern geschlossen wurde. Ein Jahr später wurden die organisatorischen Strukturen geschaffen, darunter die deutsche Gesellschaft in Baden-Baden.
Der eigentliche Sendebetrieb begann am 30. Mai 1992. ARTE ist seither ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender mit Sitz in Straßburg, der von Frankreich und Deutschland gemeinsam betrieben wird. Die Programme werden parallel in deutscher und französischer Sprache ausgestrahlt und richten sich an Zuschauer in beiden Ländern sowie zunehmend an ein europaweites Publikum.
Das Besondere an ARTE liegt in seiner Struktur und seinem Programmauftrag. Der Sender ist kein nationaler Kanal, sondern ein gemeinsames Medienprojekt zweier Staaten. Seine Programme entstehen in enger Zusammenarbeit deutscher und französischer Redaktionen. Rund achtzig Prozent des Programms werden von den beiden Partnern produziert, während weitere Inhalte aus Kooperationen mit europäischen Rundfunkanstalten stammen. Ziel ist es, Kultur, Geschichte, Politik, Wissenschaft und Kunst aus einer europäischen Perspektive zu präsentieren und damit das Verständnis zwischen den Ländern zu stärken.
Auch organisatorisch ist ARTE ein ungewöhnliches Modell. Die zentrale Programmentscheidung wird von einer gemeinsamen europäischen Einrichtung in Straßburg getroffen, während die beiden nationalen Mitglieder in Paris und Baden-Baden Programme produzieren und zuliefern. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus den Rundfunkbeiträgen in Deutschland und Frankreich.
Inhaltlich hat sich ARTE seit den neunziger Jahren einen Ruf als Kultursender mit hohem Anspruch erarbeitet. Dokumentarfilme, europäische Kinoproduktionen, Konzertübertragungen, historische Reihen und gesellschaftspolitische Magazine bilden den Kern des Programms. Viele Filme und Serien entstehen als internationale Koproduktionen, die ohne den Sender kaum realisiert würden. Damit hat ARTE eine wichtige Rolle für die europäische Film- und Dokumentarlandschaft übernommen.
Mit der Digitalisierung hat sich die Bedeutung des Senders noch erweitert. Über die ARTE-Mediathek sind zahlreiche Programme frei im Internet verfügbar, oft mit Untertiteln in mehreren europäischen Sprachen. Dadurch erreicht der Sender heute ein Publikum weit über Deutschland und Frankreich hinaus und entwickelt sich zunehmend zu einer paneuropäischen Kulturplattform.
Mehr als drei Jahrzehnte nach der Gründung des deutschen ARTE-Ablegers gilt der Sender als eines der erfolgreichsten Medienprojekte der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Er steht für die Idee eines gemeinsamen europäischen Kulturraums und zeigt, dass Fernsehen auch jenseits nationaler Grenzen funktionieren kann. ARTE ist damit nicht nur ein Fernsehsender, sondern zugleich ein Symbol für kulturelle Kooperation in Europa.
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