Am 24. April richtet sich der Blick vieler Verbraucher, Aktivisten und Unternehmen auf einen Bereich des Alltags, der meist selbstverständlich erscheint: Kleidung. Der Fashion Revolution Day ist ein internationaler Aktionstag, der mehr Transparenz, bessere Arbeitsbedingungen und verantwortungsvollere Produktionsweisen in der Modeindustrie fordert. Sein Datum ist bewusst gewählt. Es erinnert an den Einsturz des Fabrikkomplexes Rana Plaza in Dhaka am 24. April 2013, bei dem 1.134 Menschen starben und mehr als 2.500 verletzt wurden. Das Gebäude beherbergte mehrere Textilfabriken, in denen Kleidung für bekannte Marken produziert wurde. Der Vorfall gilt als eine der schwersten Katastrophen der globalen Bekleidungsindustrie.
Bereits ein Jahr später entstand als Reaktion die Bewegung Fashion Revolution. Der erste Fashion Revolution Day fand 2014 statt. Inzwischen hat sich daraus eine internationale Aktionswoche entwickelt, an der sich Gruppen in mehr als 80 Ländern beteiligen. Ziel ist es, die oft verborgenen Lieferketten der Modebranche sichtbar zu machen und den Zusammenhang zwischen günstigen Preisen, Produktionsdruck und Arbeitsbedingungen offenzulegen.
Besonders bekannt wurde die Kampagne mit der Frage „Who made my clothes?“, auf Deutsch: Wer hat meine Kleidung hergestellt? Verbraucher werden ermutigt, Marken direkt nach Herkunft, Fertigung und Bedingungen der Produktion zu fragen. In sozialen Netzwerken werden Etiketten gezeigt oder Kleidungsstücke auf links getragen, um auf die Herkunft der Ware aufmerksam zu machen. Damit soll ein Bewusstsein dafür entstehen, dass hinter jedem T-Shirt, jeder Jeans und jeder Jacke Menschen stehen, deren Arbeit oft unsichtbar bleibt.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen das Geschäftsmodell der sogenannten Fast Fashion. Gemeint ist schnell produzierte, preiswerte Mode, die in kurzen Abständen neue Trends auf den Markt bringt. Branchenanalysen zeigen seit Jahren, dass dieses System mit hohem Ressourcenverbrauch, großen Textilmengen im Abfall und starkem Kostendruck in den Lieferketten verbunden ist. Der Fashion Revolution Day fordert deshalb langlebigere Kleidung, Reparaturmöglichkeiten, Wiederverwendung und nachvollziehbare Herstellungswege.
Auch in Deutschland finden rund um den 24. April regelmäßig Aktionen statt. Dazu gehören Kleidertauschbörsen, Workshops zum Nähen und Reparieren, Diskussionen über faire Mode sowie Informationsstände in Städten und Hochschulen. Die deutsche Sektion der Bewegung wirbt unter anderem für umweltgerechte Produktion, transparente Lieferketten und eine Konsumkultur, bei der Qualität vor Wegwerfmentalität steht.
Wirtschaftlich bleibt das Thema bedeutend. Die weltweite Modebranche setzt jährlich hunderte Milliarden Euro um und beschäftigt Millionen Menschen, besonders in Asien. Gleichzeitig wächst der Markt für Secondhand-Kleidung und nachhaltigere Angebote stark. Verbraucher achten laut verschiedenen Marktstudien zunehmend auf Herkunft, Material und Haltbarkeit. Der Aktionstag trifft damit einen Nerv der Zeit, ohne nur auf Verzicht zu setzen. Er fordert vor allem bessere Information und bewusstere Entscheidungen.
Der Fashion Revolution Day ist damit mehr als ein symbolischer Gedenktag. Er verbindet die Erinnerung an eine Katastrophe mit der Frage, wie Kleidung künftig hergestellt und gekauft werden soll. Wer heute ein Preisschild betrachtet, soll auch an den Wert menschlicher Arbeit denken.
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