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26. Oktober 1916 – Geburtstag François Mitterrand

François Mitterrand, der ehemalige französische Präsident und sozialistische Führer, hätte heute seinen Geburtstag gefeiert.

François Mitterrand, der ehemalige französische Präsident und sozialistische Führer, hätte heute seinen Geburtstag gefeiert. Mitterrand, der von 1981 bis 1995 an der Spitze der Fünften Republik stand, gilt als einer der bedeutendsten und umstrittensten Politiker der französischen Geschichte. Sein politischer Werdegang war geprägt von zahlreichen Wendungen, Krisen und Erfolgen.

Mitterrand wurde am 26. Oktober 1916 in Jarnac bei Cognac in Südwestfrankreich geboren. Er studierte Jura in Paris und meldete sich 1937 zum Militärdienst bei der kolonialen Infanterie. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er verwundet und geriet in deutsche Gefangenschaft, aus der er 1941 fliehen konnte. Er schloss sich dem französischen Widerstand gegen die Nazi-Besatzung an und wurde 1944 zum Vorsitzenden einer provisorischen Regierung ernannt.

Nach dem Krieg war Mitterrand an elf Nachkriegsregierungen der Vierten Republik als Minister beteiligt, vor allem für die Kolonialangelegenheiten. Er war ein Gegner von General Charles de Gaulle, dem Führer des freien Frankreichs und späteren Staatspräsidenten. Mitterrand trat mehrmals erfolglos gegen de Gaulle bei den Präsidentschaftswahlen an. Er gründete die Föderation der Linken Demokraten und Sozialisten (FGDS) und wurde 1965 zum gemeinsamen Kandidaten der Linken ernannt.

Nach dem Rücktritt de Gaulles 1969 zog sich Mitterrand aus der Politik zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Er kehrte 1971 zurück, als er zum Vorsitzenden der Sozialistischen Partei (PS) gewählt wurde. Er vereinte die zersplitterte Linke unter seiner Führung und entwickelte ein Programm für eine sozialistische Gesellschaft. Er kandidierte erneut für das Präsidentenamt 1974, verlor aber knapp gegen den konservativen Valéry Giscard d’Estaing.

1981 gelang Mitterrand schließlich der Durchbruch: Er besiegte Giscard d’Estaing in einer Stichwahl und wurde zum ersten sozialistischen Präsidenten Frankreichs seit der Französischen Revolution gewählt. Er ernannte einen linksgerichteten Premierminister, Pierre Mauroy, und setzte eine Reihe von Reformen um, wie die Verkürzung der Arbeitszeit, die Erhöhung des Mindestlohns, die Verstaatlichung von Banken und Industrien, die Abschaffung der Todesstrafe und die Dezentralisierung der Verwaltung.

Mitterrand musste jedoch bald seine Politik ändern, als Frankreich in eine Wirtschaftskrise geriet. Er entließ Mauroy 1984 und ernannte den gemäßigten Laurent Fabius zum Premierminister. Er verfolgte eine pragmatischere Linie, die auf die Förderung des Wachstums, die Senkung der Inflation und die Anpassung an den europäischen Binnenmarkt abzielte. Er unterstützte auch die europäische Integration und unterzeichnete den Vertrag von Maastricht 1992, der die Europäische Union gründete.

1988 wurde Mitterrand für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, diesmal gegen den konservativen Jacques Chirac. Er musste jedoch mit Chirac als Premierminister koexistieren, da die Konservativen bei den Parlamentswahlen 1986 die Mehrheit gewonnen hatten. Dies führte zu einer Situation der “Kohabitation”, bei der Präsident und Premierminister von verschiedenen Parteien stammten. Mitterrand konzentrierte sich auf seine Rolle als Staatschef und überließ Chirac die Innenpolitik.

Mitterrand spielte eine wichtige Rolle bei internationalen Angelegenheiten, wie dem Ende des Kalten Krieges, dem Fall des Kommunismus in Osteuropa, dem Golfkrieg 1990-91 und dem Jugoslawienkrieg 1991-95. Er pflegte enge Beziehungen zu Deutschland und unterstützte die deutsche Wiedervereinigung 1990. Er förderte auch die frankophone Kultur und initiierte eine Reihe von großen Bauprojekten in Paris, wie die Pyramide des Louvre, die Grande Arche de la Défense und die Bibliothèque nationale de France.

Mitterrand litt seit den 1980er Jahren an Prostatakrebs, hielt seine Krankheit aber lange geheim. Er trat 1995 von seinem Amt zurück und starb am 8. Januar 1996 im Alter von 79 Jahren in Paris. Er wurde in seinem Heimatort Jarnac beigesetzt. Mitterrand hinterließ ein umfangreiches politisches und literarisches Erbe. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter Memoiren, Essays und Briefe. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie den Karlspreis, den Friedensnobelpreis und die Ehrenlegion.

Mitterrand wird von vielen als einer der größten französischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts angesehen, der Frankreich modernisierte, demokratisierte und in Europa stärkte. Er wird aber auch kritisiert für seine Machtpolitik, seine Skandale, seine Rolle in der Kolonialzeit und seine Nähe zu autoritären Regimen. Sein Leben und seine Persönlichkeit sind Gegenstand zahlreicher Biografien, Dokumentationen und Filme.

Bild: Comet Photo AG (Zürich) | CC BY-SA 4.0 International
Bild: Comet Photo AG (Zürich) – Lizenz: CC BY-SA 4.0

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