Am 28. Dezember 1879 ereignete sich eine der schlimmsten Eisenbahnkatastrophen der Geschichte: Die Firth-of-Tay-Brücke in Schottland brach unter einem Zug ein und riss 75 Menschen in den Tod. Die Brücke, die erst ein Jahr zuvor eröffnet worden war, galt als technisches Wunderwerk und war die längste Eisenbahnbrücke der Welt. Doch ein heftiger Sturm und eine mangelhafte Konstruktion führten zu ihrem Verhängnis.
Der Zug, der von Edinburgh nach Dundee unterwegs war, befand sich um 19:17 Uhr auf dem Mittelteil der Brücke, als dieser nachgab und mit dem Zug in den Firth of Tay stürzte. Die Brücke war unter dem Gewicht des Zugs, der Windlast des Orkans und den unter diesen Umständen zu hohen dynamischen Kräften des Zugs zusammengebrochen. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da die Brückenteile im Wasser versanken und die Leichen kaum geborgen werden konnten. Keiner der Insassen überlebte das Unglück.
Die Ursachen für den Einsturz wurden von einer Untersuchungskommission ermittelt, die feststellte, dass die Brücke von dem Ingenieur Thomas Bouch schlecht geplant und ausgeführt worden war. Die Eisenkonstruktion war zu schwach, um den Belastungen standzuhalten, und die Pfeiler waren nicht tief genug im Untergrund verankert. Zudem waren die Schweißnähte und die Schrauben von minderwertiger Qualität. Bouch, der für seine Brückenkonstruktionen berühmt war, wurde für das Desaster verantwortlich gemacht und starb kurz darauf an einem Herzinfarkt.
Das Unglück erregte großes Aufsehen in der Öffentlichkeit und wurde auch literarisch verarbeitet. Der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane, der Schottland bereist hatte, schrieb eine Ballade mit dem Titel „Die Brück‘ am Tay“, die 1880 erschien. Fontane nutzte das Motiv der Hexen aus Shakespeares Macbeth, um die Zerstörungskraft der Naturgewalten zu symbolisieren, die das Werk der Menschen vernichten. Er kritisierte damit den Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts und mahnte zur Bescheidenheit. Sein berühmter Schlussvers lautet: „Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand.“
Die Firth-of-Tay-Brücke wurde später neu gebaut und ist bis heute in Betrieb. Die Überreste der alten Brücke sind noch teilweise sichtbar. Das Unglück gilt als eine der größten Ingenieursfehler der Geschichte und als eine tragische Erinnerung an die Grenzen der menschlichen Schöpfung.
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