Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Peter Handke, der 2019 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat heute Geburtstag. Sein umfangreiches und vielfältiges Werk, das von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Gedichten, Essays, Hörspielen, Filmerzählungen und Übersetzungen reicht, hat ihn zu einem bedeutenden und einflussreichen Autoren der Gegenwart gemacht.
Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Griffen, Kärnten, als Sohn einer Kärntner Slowenin und eines deutschen Soldaten geboren. Er wuchs teilweise in Berlin und in Griffen auf und besuchte ein katholisches Internat in Tanzenberg. Nach dem Abitur in Klagenfurt begann er ein Jurastudium in Graz, das er jedoch abbrach, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sein Erstlingsroman “Die Hornissen” erschien 1966 und machte ihn schlagartig bekannt. Sein Frühwerk zeichnet sich durch eine sprachkritische Haltung aus, die sich gegen die konventionellen und klischeehaften Ausdrucksweisen der Literatur und des Alltags richtet. Werke wie “Publikumsbeschimpfung” (1966), “Kaspar” (1968) oder “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” (1970) zeigen seine Experimentierfreude und seinen Anspruch, die Wirklichkeit neu zu erfassen und zu gestalten.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte Handke seinen Stil weiter und widmete sich verschiedenen Themen und Formen. Er schrieb autobiografisch geprägte Werke wie “Wunschloses Unglück” (1972), in dem er den Selbstmord seiner Mutter verarbeitet, oder “Die Wiederholung” (1986), in dem er seine slowenischen Wurzeln erkundet. Er verfasste Reiseberichte wie “Die Lehre der Sainte-Victoire” (1980) oder “Die Geschichte des Bleistifts” (1982), in denen er seine Beobachtungen und Reflexionen über Landschaften, Kunst und Schreiben festhielt. Er schuf poetische und philosophische Texte wie “Langsame Heimkehr” (1979), “Der kurze Brief zum langen Abschied” (1972) oder “Der Hausierer” (1981), in denen er das Verhältnis von Ich und Welt, von Sprache und Wahrheit, von Erinnerung und Identität thematisierte. Er arbeitete auch mit dem Filmemacher Wim Wenders zusammen und schrieb die Drehbücher für “Der Himmel über Berlin” (1987), “Falsche Bewegung” (1975) oder “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” (1972).
Ab Mitte der 1990er Jahre geriet Handke jedoch in die Kritik, als er die Rolle Serbiens in den Jugoslawienkriegen hinterfragte. Er reiste mehrmals in das ehemalige Jugoslawien und schrieb darüber Bücher wie “Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien” (1996), “Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise” (1996) oder “Unter Tränen fragend. Nachträgliche Aufzeichnungen von zwei Jugoslawien-Durchquerungen im Krieg, März und April 1999” (2000). Er nahm auch an der Beerdigung des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević teil, der wegen Kriegsverbrechen angeklagt war. Handke wurde daraufhin von vielen als ein Apologet des serbischen Nationalismus und ein Leugner des Völkermords von Srebrenica beschimpft. Er verlor einige Freunde und Förderer, wie den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der seinen Nobelpreis als eine “monströse Fehlentscheidung” bezeichnete.
Handke selbst wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass er kein politischer Schriftsteller sei, sondern ein Suchender, der versuche, die Wahrheit zu finden und zu sagen. Er sagte, dass er nicht für Serbien, sondern für das ehemalige Jugoslawien Partei ergreife, das er als ein Modell für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Völker und Kulturen bewundere. Er sagte auch, dass er nicht die Verbrechen von Serben leugne oder verharmlose, sondern dass er auf die Verbrechen von allen Seiten hinweise und eine differenzierte Sichtweise einfordere. Er beklagte, dass er von den Medien falsch zitiert und verstanden werde und dass seine Texte nicht gelesen oder ernst genommen würden.
Die Kontroverse um Handke flammte wieder auf, als er 2019 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, dass Handke „ein einflussreiches Werk geschaffen hat, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung erforscht“. Die Reaktionen waren jedoch gespalten. Während einige Handke als einen großen und verdienten Schriftsteller würdigten, protestierten andere gegen die Auszeichnung und sahen sie als eine Verhöhnung der Opfer des Jugoslawienkrieges. Mehrere Länder, darunter Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und die Türkei, boykottierten die Preisverleihung. Zwei Mitglieder der Schwedischen Akademie traten aus Protest zurück. Handke selbst reagierte gelassen auf die Kritik und sagte, dass er sich nicht verteidigen wolle, sondern nur seine Bücher sprechen lasse.
Handke, der seit 1991 in Chaville bei Paris lebt, hat auch nach dem Nobelpreis weiter geschrieben. Sein jüngstes Buch ist “Das zweite Schwert. Eine Maigeschichte” (2020), in dem er von einer Begegnung mit einem Fremden in einem Pariser Park erzählt. Er hat auch angekündigt, dass er an einem neuen Theaterstück arbeite, das im kommenden Jahr in Wien uraufgeführt werden soll. Handke bleibt also ein produktiver und provokanter Autor, der die Leser herausfordert und fasziniert.
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