Am 30. Dezember 1066 ereignete sich in der Stadt Granada, die damals zum islamischen Herrschaftsgebiet von al-Andalus gehörte, eine schreckliche Gewalttat gegen die jüdische Bevölkerung. Ein muslimischer Mob stürmte den Königspalast, kreuzigte den jüdischen Wesir Joseph ibn Naghrela, Sohn von Schmuel ha-Nagid, und massakrierte mehr als 1.500 jüdische Familien, rund 4.000 Personen. Dieses Ereignis gilt als das erste Pogrom auf europäischem Boden.
Historiker haben verschiedene Erklärungen vorgeschlagen, die von politischen, religiösen und sozialen Faktoren abhängen. Einige sehen das Massaker als eine Reaktion der muslimischen Bevölkerung auf einen mächtigen und prahlerischen jüdischen Wesir, der den Neid und die Feindseligkeit der Berber-Adligen erregte. Andere weisen auf die Rolle eines antisemitischen Gedichts von Abu Ishaq hin, das die Muslime dazu aufrief, die Juden zu töten, die ihrer Meinung nach den Vertrag mit ihnen gebrochen hatten und über ihnen standen. Wieder andere betonen die politische Instabilität und die sozialen Spannungen, die das Königreich Granada unter der Herrschaft der Ziriden plagten, die von den rivalisierenden Almoraviden bedroht wurden.
Obwohl sich die Juden in den folgenden Jahren erholten und weiterhin in Granada lebten, wurde ihre Situation 1090 unter den Almoraviden erneut verschlechtert, die ihnen hohe Steuern auferlegten und sie aus ihren öffentlichen Ämtern vertrieben. Das Massaker von Granada markierte das Ende des sogenannten “goldenen Zeitalters des Judentums” in Spanien, das durch religiöse Toleranz, kulturelle Blüte und politischen Einfluss gekennzeichnet war. Es war auch ein Vorläufer für die späteren Pogrome und Verfolgungen, die die Juden unter den christlichen Königen erleiden mussten, die schließlich zur Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 führten.
Das Massaker von Granada ist ein dunkles Kapitel in der spanischen Geschichte, das nicht vergessen werden darf. Es zeigt, wie Hass und Gewalt eine friedliche Koexistenz zerstören können, die jahrhundertelang bestanden hat. Es erinnert uns auch an die Notwendigkeit, die Menschenrechte zu respektieren, die heute mehr denn je bedroht sind.

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