Am 15. Februar 2003 gingen in mehr als sechshundert Städten weltweit Millionen Menschen auf die Straße, um gegen den drohenden Irakkrieg zu protestieren. Schätzungen reichen von etwa sechs bis zehn Millionen Teilnehmern; Historiker sprechen bis heute von der größten Friedensdemonstration der Geschichte. Die größten Kundgebungen fanden in Europa statt, allein in Rom versammelten sich rund drei Millionen Menschen, in Berlin etwa eine halbe Million.
Der Protest richtete sich gegen die von den USA und Großbritannien angeführte sogenannte Koalition der Willigen. Diese begann am 20. März 2003 den Angriff auf den Irak. Die politischen Spannungen hatten sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 aufgebaut. Die Regierung in Washington warf Saddam Hussein vor, über Massenvernichtungswaffen zu verfügen und Kontakte zur Terrororganisation Al Qaida zu unterhalten. Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wurden entsprechende Geheimdienstinformationen präsentiert, doch eine Mehrheit der Staaten ließ sich davon nicht überzeugen.
Nach Beginn des Krieges stellte sich heraus, dass die zentralen Begründungen nicht zutrafen. Weder konnten Massenvernichtungswaffen gefunden werden noch bestätigte sich eine Zusammenarbeit mit Al Qaida. Spätere Untersuchungen amerikanischer und internationaler Kommissionen widerlegten die behauptete Verbindung ausdrücklich. Auch monatelange Inspektionen der Vereinten Nationen hatten zuvor keine verbotenen Waffenprogramme nachweisen können.
Militärisch endete die erste Phase schnell. Die irakische Armee brach zusammen, Bagdad fiel im April 2003, Saddam Hussein wurde im Dezember desselben Jahres gefasst. Doch der Krieg verwandelte sich danach in eine langjährige Besatzungs- und Bürgerkriegssituation. Bewaffnete Aufstände, konfessionelle Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten sowie Terroranschläge bestimmten den Alltag. Die Auflösung staatlicher Strukturen schuf ein Machtvakuum, aus dem später neue Extremistengruppen hervorgingen.
Besonders folgenreich war die Entstehung des sogenannten Islamischen Staates. Viele Analysen sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Krieg und seinem Aufstieg; ohne die Invasion und die anschließende Destabilisierung wäre diese Organisation kaum entstanden. Die Terrorherrschaft des IS führte Jahre später erneut zu internationalen Militäreinsätzen und trug zu Fluchtbewegungen sowie politischen Spannungen in Europa und Nordamerika bei.
Bis heute prägt der Krieg den Nahen Osten. Der Irak bleibt politisch fragil, regionale Mächte konkurrieren um Einfluss, und gesellschaftliche Konflikte sind nicht überwunden. Gleichzeitig gilt der Konflikt international als Beispiel für einen Krieg, der auf fehlerhaften oder manipulierten Informationen beruhte und dessen Folgen weit über das ursprüngliche Ziel hinausreichten.
Die Demonstrationen vom 15. Februar 2003 konnten den Krieg nicht verhindern. Dennoch markierten sie einen historischen Moment globaler Zivilgesellschaft. Millionen Menschen protestierten erstmals noch vor Beginn eines Krieges gegen dessen Begründung und warnten vor genau den Folgen, die sich in den folgenden Jahrzehnten tatsächlich einstellten.
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