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28. April 1866 – Gründung Norddeutsche Affinerie, Vorgänger von Aurubis

Am 28. April 1866 wurde in Hamburg ein Unternehmen gegründet, das die deutsche Industriegeschichte über Generationen begleiten sollte: die Norddeutsche Affinerie.

Am 28. April 1866 wurde in Hamburg ein Unternehmen gegründet, das die deutsche Industriegeschichte über Generationen begleiten sollte: die Norddeutsche Affinerie. Aus einer regionalen Kupferhütte entwickelte sich im Laufe von 160 Jahren ein internationaler Metallkonzern, der heute unter dem Namen Aurubis firmiert und zu den bedeutendsten Kupferproduzenten sowie größten Kupferrecyclern der Welt zählt.

Die Gründung fiel in eine Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs im norddeutschen Raum. Hamburg war bereits ein wichtiges Handelszentrum, und der Bedarf an Metallen wuchs mit Industrialisierung, Eisenbahnbau, Schiffbau und Elektrifizierung stetig. Die neue Aktiengesellschaft übernahm bestehende Raffinationsanlagen und konzentrierte sich zunächst auf die Verarbeitung von Rohkupfer sowie die Rückgewinnung wertvoller Metalle. Einer der prägenden frühen Namen war Ferdinand Beit, der zu den Gründungsfiguren zählte.

Schon im 19. Jahrhundert setzte das Unternehmen auf technische Neuerungen. 1876 wurde nach Unternehmensangaben eines der ersten vollständig kontinuierlichen Systeme zur Kupferelektrolyse eingeführt. Diese Technik erlaubte die Herstellung besonders reinen Kupfers, das für die aufkommende Elektroindustrie unverzichtbar war. Mit dem Ausbau der Stromnetze stieg die Bedeutung des Werkstoffs enorm. Kupfer wurde zum Nervensystem der modernen Welt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieß der ursprüngliche Standort an seine Grenzen. Deshalb begann 1908 der Ausbau auf der Elbinsel Peute im Hamburger Hafenbereich. Ab 1909 verlagerte das Unternehmen seine Produktion dorthin. Der Standort prägt die Firma bis heute und gehört zu den bekanntesten Industrieanlagen Hamburgs.

Wie viele deutsche Industriebetriebe durchlief auch die Norddeutsche Affinerie die Krisen des 20. Jahrhunderts: Weltkriege, Rohstoffmangel, Inflation und politische Umbrüche. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Betrieb zunächst vor Demontageplänen, konnte jedoch weitergeführt werden. Mit Währungsreform und Wiederaufbau begann ein neuer Aufstieg. In den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders wuchs das Unternehmen stark und stellte Arbeitskräfte aus dem Ausland ein, wie viele Industriebetriebe jener Zeit.

Ab den 1960er und 1970er Jahren internationalisierte sich die Firma zunehmend. Beteiligungen im Ausland, neue Partnerschaften und eine breitere Produktpalette machten aus dem Hamburger Traditionsunternehmen einen globalen Akteur. Ein wichtiger Schritt war 1998 der Börsengang. Damit öffnete sich die Norddeutsche Affinerie stärker dem internationalen Kapitalmarkt.

2008 folgte die Übernahme des belgischen Kupferunternehmens Cumerio. Diese Expansion machte deutlich, dass das Unternehmen nicht länger nur norddeutsch oder national dachte, sondern europäisch und global. Ein Jahr später erhielt die Gesellschaft einen neuen Namen: Aus der Norddeutschen Affinerie wurde Aurubis. Der Name leitet sich aus lateinischen Begriffen für Gold und Rot ab und sollte den Wert des Kupfers symbolisieren. Die Umbenennung trat 2009 offiziell in Kraft.

Heute ist die Aurubis ein international tätiger Konzern mit Standorten in Europa und den USA. Das Unternehmen verarbeitet Kupferkonzentrate, Schrotte und komplexe Recyclingmaterialien. Neben Kupfer gewinnt Aurubis auch Gold, Silber, Nickel, Zinn und weitere Metalle zurück. Damit steht die Firma exemplarisch für eine Industrie, die klassische Metallurgie mit moderner Kreislaufwirtschaft verbindet. Nach Unternehmensangaben arbeiten rund 7.000 Menschen für den Konzern, der zuletzt einen Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich erzielte.

Besonders im 21. Jahrhundert hat sich das Bild des Unternehmens gewandelt. Wo früher vor allem Erzverarbeitung und Schwerindustrie im Vordergrund standen, geht es heute zunehmend um Recycling, Ressourcensicherheit und die Versorgung von Zukunftsbranchen. Kupfer wird für Stromnetze, Windkraftanlagen, Elektromobilität, Rechenzentren und Halbleitertechnik benötigt. Damit bleibt ein Werkstoff, der schon im 19. Jahrhundert wichtig war, auch im digitalen Zeitalter unverzichtbar.

Die Geschichte der Norddeutschen Affinerie ist damit mehr als eine Unternehmenschronik. Sie erzählt vom Aufstieg Hamburgs als Industriestandort, von technischer Erneuerung, vom Wandel der Arbeit und von der Fähigkeit alter Industrien, sich neu zu erfinden. Aus einer Hamburger Kupferhütte wurde ein globaler Konzern. Der Name änderte sich, die Bedeutung des Metalls blieb.

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