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28. April 1874 – Geburtstag Karl Kraus

Am 28. April jährt sich der Geburtstag des österreichischen Schriftstellers und Sprachkritikers Karl Kraus. Er gilt bis heute als einer der schärfsten Beobachter seiner Epoche und als unerbittlicher Verteidiger der deutschen Sprache.

Am 28. April jährt sich der Geburtstag des österreichischen Schriftstellers und Sprachkritikers Karl Kraus. Er gilt bis heute als einer der schärfsten Beobachter seiner Epoche und als unerbittlicher Verteidiger der deutschen Sprache. Kaum ein anderer Autor verband literarische Formkraft, journalistische Präzision und moralische Kritik so konsequent wie er. Karl Kraus wurde am 28. April 1874 im böhmischen Gitschin, dem heutigen Jičín, geboren. Bereits als Kind zog er mit seiner Familie nach Wien, jener Stadt, die sein Leben und sein Werk prägen sollte.

Nach Studienversuchen in Jura, Philosophie und Germanistik wandte sich Kraus früh dem Schreiben zu. Bekannt wurde er zunächst als Theaterkritiker und Essayist. Den entscheidenden Schritt machte er 1899 mit der Gründung der Zeitschrift Die Fackel. Dieses Blatt wurde zu seinem wichtigsten Forum. Über Jahrzehnte schrieb er dort gegen Korruption, Sensationsjournalismus, politische Verlogenheit und geistige Bequemlichkeit an. Später verfasste er die Zeitschrift fast vollständig allein. Mehr als 900 Ausgaben erschienen bis zu seinem Tod.

Besonders berühmt wurde Kraus für seinen Kampf um sprachliche Genauigkeit. Für ihn war Sprache nicht bloß ein Werkzeug, sondern ein Maßstab des Denkens. Wo Worte verrohten, sah er auch den Verfall der Gesellschaft. Er attackierte Phrasen, leere Floskeln, journalistische Schlamperei und die gezielte Verdrehung von Begriffen. Seine Kritik an der Presse war oft gnadenlos, aber nie oberflächlich. Kraus zeigte, dass schlechte Sprache nicht harmlos ist, sondern Wirklichkeit verzerren kann. In einer Zeit wachsender Massenmedien erkannte er früh, wie gefährlich sprachliche Manipulation werden kann.

Auch literarisch hinterließ er bedeutende Werke. Sein monumentales Drama Die letzten Tage der Menschheit zählt zu den eindrucksvollsten Abrechnungen mit dem Ersten Weltkrieg. Darin montierte er reale Zitate, Dialoge und Szenen zu einem düsteren Panorama einer enthemmten Epoche. Später reagierte er auch auf den Nationalsozialismus, etwa mit dem Werk Die Dritte Walpurgisnacht, das erst nach seinem Tod vollständig veröffentlicht wurde.

Karl Kraus starb am 12. Juni 1936 in Wien. Sein Einfluss reicht weit über seine Zeit hinaus. Schriftsteller, Publizisten und Sprachwissenschaftler berufen sich bis heute auf ihn. In Debatten über Medien, politische Rhetorik und den Zustand der Sprache wirkt sein Denken erstaunlich modern. Wer wissen will, wie eng Wahrheit und Sprache zusammenhängen, findet bei Karl Kraus noch immer einen kompromisslosen Lehrer.

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