Der Tag der Monarchfalter-Sichtung (Start Seeing Monarchs Day) fällt jedes Jahr auf den ersten Samstag im Mai. Der amerikanische Aktionstag geht auf das Jahr 2015 zurück und soll auf eine Schmetterlingsart aufmerksam machen, die in Nordamerika zu den bekanntesten Naturzeichen des Frühlings zählt: den Monarchfalter, wissenschaftlich Danaus plexippus.
Sein Name passt zu seinem Auftreten. Orangefarbene Flügel, schwarze Adern, weiß gepunktete Ränder; kaum ein Schmetterling ist so leicht zu erkennen. Die Art wurde 1758 von Carl von Linné beschrieben. Ihren heutigen Rang als Naturikone verdankt sie aber nicht nur ihrem Aussehen, sondern vor allem einer Wanderung, die für ein Insekt außergewöhnlich ist. Monarchfalter ziehen über den nordamerikanischen Kontinent, im Osten bis in die Bergwälder Zentralmexikos, im Westen zu Überwinterungsplätzen an der kalifornischen Küste.
Diese Wanderung ist keine einfache Hin- und Rückreise eines einzelnen Tieres. Im Frühjahr und Sommer arbeiten sich mehrere Generationen nach Norden vor. Sie paaren sich, legen Eier und sterben nach wenigen Wochen. Erst die im Spätsommer geborene Generation lebt deutlich länger. Sie stellt die Fortpflanzung zunächst zurück, sammelt Energie und fliegt nach Süden. Dort überdauert sie den Winter; ihre Nachkommen beginnen im Frühjahr wieder den Weg nach Norden. Dass ein so kleines Tier solche Strecken findet, ohne die Route von älteren Tieren lernen zu können, machte den Monarchfalter schon früh zu einem Forschungsobjekt.
Lange wusste niemand genau, wo die Tiere den Winter verbringen. Zwar beobachteten Forscher schon im 19. Jahrhundert große Ansammlungen und erkannten im 20. Jahrhundert immer besser, dass die Falter wandern. Die eigentlichen Überwinterungsgebiete in Mexiko blieben jedoch bis in die 1970er Jahre ein Rätsel. Fred und Norah Urquhart aus Kanada bauten über Jahrzehnte ein Netz freiwilliger Helfer auf, die Monarchfalter markierten und Funde meldeten. 1975 gelang schließlich der entscheidende Nachweis in den mexikanischen Hochlandwäldern; damit war eines der großen Rätsel der Insektenkunde gelöst.
Eng verbunden ist die Geschichte des Monarchfalters mit den Seidenpflanzen, im Englischen Milkweed genannt. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen und nehmen dabei Stoffe auf, die sie für viele Fressfeinde ungenießbar machen. Die auffällige Färbung ist deshalb nicht nur Schmuck, sondern Warnsignal. Ohne geeignete Seidenpflanzen kann der Falter sich nicht fortpflanzen; ohne Blütenpflanzen entlang der Zugroute fehlt den erwachsenen Tieren die nötige Energie. Genau hier beginnt das heutige Problem. Landwirtschaft, Siedlungsbau, Herbizide, Pestizide, Trockenheit und Wetterextreme haben Lebensräume und Nahrungspflanzen vielerorts verringert.
Die Bestände schwanken von Jahr zu Jahr stark. Für die östliche Population, die in Mexiko überwintert, messen Forscher nicht einzelne Tiere, sondern die Waldfläche, die von den Kolonien bedeckt wird. In der Saison 2025/2026 wurden 7,24 Acres (knapp 30 Quadratmeter) erfasst, nach 4,42 Acres (etwa 18 Quadratmeter) im Winter zuvor; das entspricht einem Plus von 64 Prozent. Diese Erholung ist erfreulich, ändert aber nichts daran, dass die langfristige Entwicklung als gefährdet gilt. Die wandernde Unterart steht auf der Roten Liste der IUCN derzeit als „vulnerable“, also gefährdet.
Auch in den Vereinigten Staaten ist der Schutzstatus seit Jahren Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Entscheidungen. Der U.S. Fish and Wildlife Service schlug im Dezember 2024 vor, den Monarchfalter nach dem Endangered Species Act als „threatened“, also bedroht, einzustufen und wichtige Lebensräume auszuweisen. Eine endgültige Schutzregel war damit nicht automatisch in Kraft; der Vorschlag leitete zunächst ein formales Verfahren ein.
Der Tag der Monarchfalter-Sichtung ist deshalb mehr als ein hübscher Kalendereintrag für Schmetterlingsfreunde. Er erinnert daran, dass eine berühmte Art nicht allein durch Bewunderung erhalten bleibt. In Nordamerika helfen Gärten mit heimischen Seidenpflanzen, nektarreichen Blüten und möglichst wenig Pestiziden; ebenso wichtig sind Schutzgebiete, Forschung und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Zugroute von Kanada über die USA bis Mexiko. Der Monarchfalter ist klein, aber seine Geschichte ist groß: Sie erzählt von Wanderung, Orientierung, Anpassung und davon, wie verletzlich selbst ein Naturwunder werden kann, wenn seine Landschaft verschwindet.
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