Am 5. Mai wird jährlich ein seltsamer, aber zugleich charmanter Feiertag begangen: der Umarme einen Schuppen und mach ein Selfie-Tag (Hug a Shed and Take a Selfie Day). Was auf den ersten Blick wie ein Scherz wirkt, ist in Wirklichkeit eine liebevolle Hommage an ein Bauwerk, das in vielen Gärten ein stilles, oft übersehenes Dasein fristet: den Schuppen.
In einer Welt, die zunehmend von digitalen Technologien, urbanem Wandel und Schnelllebigkeit geprägt ist, steht der Schuppen sinnbildlich für eine andere Zeit. Er ist Ort des Rückzugs, des Werkelns, der Ordnung oder des wohligen Chaos. Viele Menschen verbinden mit ihm Kindheitserinnerungen, den Duft von Holz und Farbe, das Klacken alter Gartengeräte oder stille Momente der Konzentration. Nicht selten avanciert der Schuppen im Lauf der Jahre zu einem ganz persönlichen Raum; einem Miniatur-Refugium zwischen Alltag und Natur.
Der Aktionstag lädt dazu ein, dem Schuppen öffentlich Anerkennung zu zollen. Wer ihn umarmt und das mit einem Selfie dokumentiert, tut dies mit einem Augenzwinkern, aber auch mit einem Stück Respekt. Der Tag wurde vermutlich von britischen Gartenfreunden ins Leben gerufen und findet mittlerweile auch international Beachtung; vor allem in sozialen Medien. Dort wird er genutzt, um originelle Bilder zu teilen, Erinnerungen zu wecken oder schlicht die Existenz des eigenen Gartenhauses zu feiern.
Tatsächlich ist der Schuppen mehr als nur Lagerstätte für Werkzeuge oder Ort des handwerklichen Tuns. In der Literatur, der Fotografie oder auch in filmischen Darstellungen wird er immer wieder zum Symbol für das Private, das Verborgene, das Selbstgewählte. Manche Menschen richten sich kleine Ateliers oder Lesekammern in ihm ein, andere nutzen ihn als Rückzugsort in stressigen Zeiten.
Dass ein ganzer Tag diesem unscheinbaren Gebäude gewidmet ist, wirkt zunächst übertrieben; doch gerade in der Überzeichnung liegt der Reiz. Denn wer sich die Zeit nimmt, ein Bauwerk zu umarmen, das sonst nur beiläufig betreten wird, der betrachtet es plötzlich mit anderen Augen. Der Umarme einen Schuppen und mach ein Selfie-Tag ist daher weniger ein klassischer Feiertag als eine Einladung, Wertschätzung für das Kleine, das Praktische und das Vertraute zu zeigen; und dabei ruhig ein wenig zu schmunzeln.
Ob man den Tag tatsächlich mit einer Umarmung begeht oder ihn lediglich zum Anlass nimmt, den Schuppen aufzuräumen, neu zu streichen oder einfach bewusst wahrzunehmen; sein Sinn liegt in der Aufmerksamkeit für das, was sonst übersehen wird. Und genau das macht ihn, bei aller Absurdität, erstaunlich zeitgemäß.

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