Am 7. Mai 1525 erreichte der Deutsche Bauernkrieg einen seiner bedeutenden Schauplätze: Würzburg. Aufständische Bauernhaufen rückten gegen die Stadt vor, unter ihnen der Odenwälder Haufen, dessen Hauptmann Götz von Berlichingen geworden war. Ganz präzise muss man unterscheiden: Die Stadt Würzburg geriet in die Hand der Aufständischen, die hoch über ihr liegende Festung Marienberg jedoch nicht. Sie blieb der entscheidende befestigte Ort des Fürstbischofs und widerstand der Belagerung. Damit wurde Würzburg zum Sinnbild einer Bewegung, die große Kraft entfalten konnte, aber militärisch an den Mauern der alten Macht scheiterte.
Götz von Berlichingen war dabei eine schillernde Figur. Der fränkische Reichsritter mit der eisernen Hand war kein Bauernführer im modernen Sinn und auch kein Revolutionär aus Überzeugung. Er kam aus dem Adel, hatte Fehdeerfahrung und verfügte über militärisches Ansehen. Für die Bauern war sein Name wertvoll, weil er ihrer Bewegung Gewicht verlieh. Wie weit er tatsächlich führte oder eher von den Ereignissen mitgerissen wurde, ist bis heute umstritten.
Bekannt blieb Götz von Berlichingen allerdings weniger durch seine Rolle im Bauernkrieg als durch Johann Wolfgang Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“, das 1773 erschien. Goethe machte aus dem historischen Ritter eine literarische Freiheitsfigur, einen eigensinnigen Mann, der sich nicht beugen will. Berühmt wurde vor allem der sogenannte Götz-Spruch, den Goethe in der derben Form „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ in die Literatur brachte. Die heute verkürzte Redensart „Leck mich am Arsch“ wurde dadurch sprichwörtlich, auch wenn sie älter ist als Goethes Stück.
Der Deutsche Bauernkrieg war keine einzelne Erhebung, sondern eine breite Bewegung, die sich seit 1524 vom Südwesten aus über große Teile des Reiches ausbreitete. Bauern, Handwerker und einfache Stadtbewohner wandten sich gegen Leibeigenschaft, hohe Abgaben, Frondienste und den Verlust alter Nutzungsrechte an Wäldern, Weiden und Gewässern. Viele verlangten nicht den Umsturz der gesamten Ordnung, sondern gerechtere Rechte, geringere Lasten und eine Herrschaft, die sich am Evangelium messen lassen sollte.
Die Reformation verstärkte diese Erwartungen. Luthers Gedanke von der Freiheit eines Christenmenschen wurde von vielen Bauern auch weltlich verstanden. In den Zwölf Artikeln von Memmingen formulierten sie 1525 ihre zentralen Forderungen: freie Pfarrerwahl, Begrenzung der Frondienste, Minderung ungerechter Abgaben und ein Ende der Leibeigenschaft, sofern sie nicht biblisch begründet werden könne. Durch den Buchdruck verbreiteten sich diese Artikel rasch.
Doch aus Forderungen wurden Kämpfe. Klöster und Burgen wurden angegriffen, Fürsten und Bischöfe rüsteten auf. Nach dem gescheiterten Angriff auf die Festung Marienberg zerbrach die fränkische Erhebung rasch. Anfang Juni 1525 wurden die Bauern bei Königshofen und in weiteren Gefechten vernichtend geschlagen. Es folgten Hinrichtungen, Strafzahlungen und harte Vergeltung.
Militärisch scheiterte der Bauernkrieg. Zehntausende verloren ihr Leben, die Macht der Fürsten wurde vielerorts sogar gestärkt. Historisch blieb die Erhebung dennoch bedeutsam. In ihr wurden Fragen nach Recht, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit mit einer Klarheit gestellt, die weit über das Jahr 1525 hinauswirkte.
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