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7. Mai 2017 – Einstmals längste Hängebrücke für Fußgänger eröffnet

Am 7. Mai 2017 wurde im Harz ein Bauwerk eröffnet, das schon vor dem ersten Schritt darauf vor allem eines versprach: Schwindel, Aussicht und einen neuen Maßstab für touristische Ingenieurskunst.

Am 7. Mai 2017 wurde im Harz ein Bauwerk eröffnet, das schon vor dem ersten Schritt darauf vor allem eines versprach: Schwindel, Aussicht und einen neuen Maßstab für touristische Ingenieurskunst. Die Hängeseilbrücke Titan RT spannt sich bei der Rappbodetalsperre über das Tal der Bode und den Stausee der Talsperre Wendefurth. Mit einer Gesamtlänge von 483 Metern und einer frei hängenden Strecke von 458,5 Metern galt sie bei ihrer Eröffnung als längste Hängeseilbrücke für Fußgänger ihrer Art. Der Rekord blieb nicht dauerhaft bestehen; doch der Rang, den die Brücke 2017 einnahm, machte sie weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt.

Die Titan RT liegt in unmittelbarer Nähe zur Staumauer der Rappbodetalsperre, einer der markantesten Talsperrenanlagen Deutschlands. Gerade diese Lage ist Teil ihrer Wirkung. Die Brücke verläuft nicht irgendwo über einem Tal, sondern parallel zu einem großen technischen Bauwerk, dessen Betonmasse einen deutlichen Gegensatz zur scheinbar leichten Seilkonstruktion bildet. Wer die Brücke betritt, geht auf einem schmalen Gitterrost in rund 100 Metern Höhe. Unter den Füßen öffnet sich der Blick nach unten; seitliche Netze und Geländer geben Sicherheit, nehmen dem Übergang aber nicht seinen Nervenkitzel.

Technisch ist die Titan RT mehr als eine touristische Mutprobe. Das rund 118 Tonnen schwere Bauwerk ist mit hoher Zugkraft im Schieferfelsen beider Talseiten verankert. Vier Haupttragseile tragen die Konstruktion, zusätzliche Stabilisierungsseile und Windlastseile dämpfen die Bewegungen. Diese Konstruktion ist entscheidend, weil eine derart lange und leichte Fußgängerbrücke Wind und Schwingungen ausgesetzt ist. Die Besonderheit liegt also nicht allein in der Länge, sondern in der Kombination aus filigraner Form, großer Spannweite und der Stabilisierung über dem offenen Tal.

Von Beginn an war die Brücke als Erlebnisort geplant. Sie verbindet Aussicht und Adrenalintourismus, denn an der Titan RT ist auch ein Pendelsprung, der sogenannte GigaSwing, möglich. Damit wurde die Brücke nicht nur zu einem neuen Aussichtspunkt im Harz, sondern zu einem Symbol für eine Form des Tourismus, die Landschaft, Technik und kalkuliertes Risiko miteinander verbindet. Besucher kommen nicht allein wegen des Weges von einer Seite zur anderen, sondern wegen des Gefühls, für einige Minuten über dem Tal zu schweben.

Auch wenn andere Brücken die Titan RT inzwischen in der Länge übertroffen haben, bleibt ihre Eröffnung ein bemerkenswerter Moment in der jüngeren Tourismusgeschichte des Harzes. Sie zeigte, wie aus einer Landschaft, die lange vor allem mit Wandern, Wäldern und Talsperren verbunden wurde, ein Ziel für moderne Erlebnisarchitektur werden konnte. Die Titan RT ist deshalb nicht nur eine Brücke über ein Tal. Sie ist ein Bauwerk, das den Blick auf den Harz veränderte.

Bild: Public Domain | Public Domain

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