Der Tag des Pfeifens (Mother Whistler Day) wird jedes Jahr am 18. Mai begangen und gehört zu den eher ungewöhnlichen Aktionstagen aus den USA. Anders als der englische Name zunächst vermuten lässt, steht dabei nicht in erster Linie der amerikanische Maler James McNeill Whistler im Mittelpunkt, sondern das Pfeifen selbst. Der Name des Tages beruht auf einem Wortspiel, denn „Whistler“ bedeutet im Englischen sowohl „Pfeifer“ als auch den Nachnamen des Künstlers, dessen berühmtes Gemälde Whistler’s Mother weltweit bekannt wurde.
Die Ursprünge des Aktionstags sind nur lückenhaft dokumentiert. Als frühe Quelle gilt ein Hinweis aus einer amerikanischen Zeitung aus dem Jahr 1977. Dort wurde dazu aufgerufen, an diesem Tag bewusst zu pfeifen, sei es bei der Arbeit, unterwegs oder zu Hause. Hinter der Idee stand offenbar eine Gruppe aus dem Bundesstaat Pennsylvania, die das Pfeifen als fröhliche und unkomplizierte Ausdrucksform feiern wollte. Eine offizielle Organisation oder internationale Anerkennung des Tages gibt es allerdings nicht.
Das Pfeifen begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten. Lange bevor technische Kommunikationsmittel verbreitet waren, nutzten Menschen Pfeifsignale zur Verständigung über größere Entfernungen. In einigen Regionen der Welt entstanden sogar vollständige Pfeifsprachen. Besonders bekannt ist die Pfeifsprache Silbo Gomero auf der Kanareninsel La Gomera, mit der sich Bewohner über tiefe Schluchten hinweg verständigen konnten. Auch Hirten, Seeleute und Arbeiter verwendeten Pfeifsignale im Alltag.
Darüber hinaus spielte das Pfeifen immer wieder eine Rolle in Musik und Unterhaltung. Viele Menschen pfeifen unbewusst Melodien vor sich hin, andere nutzen es gezielt als musikalische Technik. In früheren Jahrzehnten gehörte das Pfeifen oft selbstverständlich zum Straßenbild, in Werkstätten, auf Baustellen oder beim Spaziergang. Heute wird es teilweise sogar als unhöflich empfunden, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder geschlossenen Räumen. Gerade dadurch wirkt ein Aktionstag wie der Tag des Pfeifens fast ein wenig nostalgisch.
Wissenschaftlich betrachtet hat Pfeifen mehrere Funktionen. Es kann helfen, Stress abzubauen, die Konzentration zu fördern oder Stimmungen auszudrücken. Manche Menschen pfeifen aus Freude, andere aus Nervosität oder Gewohnheit. Gleichzeitig ist Pfeifen kulturell unterschiedlich bewertet. Während es in einigen Ländern als fröhlich und harmlos gilt, verbinden andere Kulturen damit Aberglauben oder schlechte Manieren.
Der Tag des Pfeifens gehört nicht zu den großen internationalen Gedenktagen. Dennoch erinnert er auf ungewöhnliche Weise daran, dass selbst kleine alltägliche Geräusche eine kulturelle Geschichte besitzen. Zwischen Kunstzitat, Wortspiel und Alltagskultur hat sich der Mother Whistler Day so einen festen Platz in der langen Liste amerikanischer Aktionstage gesichert.
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