Am 20. August 1890 wurde auf dem Gipfel des Wendelsteins in den Bayerischen Alpen das sogenannte Wendelsteinkircherl geweiht, das bis heute als höchstgelegenes Gotteshaus Deutschlands gilt. In 1.838 Metern Höhe thront die kleine Kapelle über dem Inntal und ist längst zu einem Wahrzeichen der Region geworden. Ihre Geschichte verbindet den Glauben der Bergbewohner mit dem technischen und touristischen Aufbruch des späten 19. Jahrhunderts.
Die Initiative zum Bau ging von Pfarrer Leonhard Steinberger aus Bayrischzell aus, der mit großem Eifer Spenden sammelte und die Pläne eines Münchner Architekten umsetzen ließ. 1889 begann der Bau unter schwierigen Bedingungen. Sämtliche Materialien mussten mit Maultieren oder auf den Schultern von Arbeitern auf den Berg getragen werden. Steine und Kalk kamen aus der Umgebung, doch Holz, Glas und Dachschindeln mussten aus dem Tal heraufgebracht werden. Der Bau zog sich über ein Jahr hin, ehe die kleine, neugotische Kapelle fertiggestellt werden konnte.
Die Weihe am 20. August 1890 wurde zu einem Festtag für die Bewohner der umliegenden Gemeinden. Hunderte Gläubige stiegen den mühsamen Weg zum Gipfel hinauf, um bei der feierlichen Zeremonie dabei zu sein. Schon bald wurde das Wendelsteinkircherl ein beliebtes Ziel von Bergsteigern und Wallfahrern, die die außergewöhnliche Lage ebenso schätzten wie die Ruhe des Ortes.
Mit der Eröffnung der Wendelsteinbahn im Jahr 1912 wurde das Gotteshaus noch leichter erreichbar. Seitdem sind Messen und Hochzeiten auf dem Berg keine Seltenheit mehr. Besonders Hochzeiten genießen bis heute einen besonderen Reiz, da die kleine Kapelle nur wenige Sitzplätze bietet und so eine sehr intime Feier ermöglicht.
Das Kirchlein überstand beide Weltkriege und trotzte Wind, Schnee und Lawinen. Mehrfach mussten Dach und Mauerwerk erneuert werden, um den extremen Witterungsbedingungen standzuhalten. Auch ein Blitzschlag beschädigte das Gotteshaus schwer, doch stets wurde es liebevoll instandgesetzt.
Heute gehört das Wendelsteinkircherl zum festen Bestandteil des kulturellen Erbes der Alpenregion. Es ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Symbol für den Willen der Menschen, ihren Glauben bis in die höchste Höhe zu tragen. Wer den Gipfel des Wendelsteins erreicht, wird vom Anblick der Kapelle empfangen, die sich trotz ihrer bescheidenen Größe eindrucksvoll gegen die Kulisse der Alpen behauptet.
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