Kalender

12. Dezember 1979 – NATO-Doppelbeschluss wird verabschiedet

Am 12. Dezember 1979 wurde ein bedeutendes Kapitel der Nachkriegsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland aufgeschlagen: die NATO verabschiedete den NATO-Doppelbeschluss.

Am 12. Dezember 1979 wurde ein bedeutendes Kapitel der Nachkriegsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland aufgeschlagen: die NATO verabschiedete den NATO-Doppelbeschluss. Diese Entscheidung, die militärische Aufrüstung und gleichzeitige Abrüstungsgespräche mit der Sowjetunion vorsah, löste nicht nur eine intensive politische Debatte aus, sondern auch jahrelange, massenhafte Proteste der Friedensbewegung.

Der NATO-Doppelbeschluss wurde als Reaktion auf die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen des Typs SS-20 in Osteuropa beschlossen. Die westlichen Bündnispartner, allen voran die USA, sahen darin eine Bedrohung für das strategische Gleichgewicht und entschieden, Pershing-II-Raketen und Marschflugkörper in Westeuropa zu stationieren, sollte die Sowjetunion nicht einlenken. Parallel dazu sollten Abrüstungsverhandlungen initiiert werden, um eine weitere Eskalation des Wettrüstens zu verhindern.

Die Verkündung des NATO-Doppelbeschlusses traf in der Bundesrepublik auf einen ohnehin schon wachsenden Unmut über die militärische Konfrontation zwischen Ost und West. Die Friedensbewegung, die sich in den 1970er Jahren formiert hatte, erfuhr durch den Beschluss einen massiven Zulauf. Millionen Menschen schlossen sich Protestmärschen, Demonstrationen und Sitzblockaden an, um gegen die geplante Stationierung neuer Raketen zu protestieren.

Besonders in den frühen 1980er Jahren erreichten die Proteste ihren Höhepunkt. Große Demonstrationen wie die Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983 oder die Kundgebung im Bonner Hofgarten im Jahr 1982, an der mehr als 300.000 Menschen teilnahmen, wurden zu symbolträchtigen Ereignissen. Die Friedensbewegung brachte Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten zusammen und stellte eine breite Front gegen die Aufrüstungspläne der NATO dar.

Die jahrelangen Proteste der Friedensbewegung hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die politische Landschaft der Bundesrepublik. Sie führten zu intensiven Diskussionen innerhalb und zwischen den Parteien, und es entstanden neue politische Akteure, wie die Grünen, die sich damals als Stimme der Friedensbewegung etablierten. Der gesellschaftliche Druck zwang die Politik zu Zugeständnissen und hielt die Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion auf der internationalen Agenda.

Der NATO-Doppelbeschluss und die darauf folgenden Proteste der Friedensbewegung markieren eine entscheidende Phase im Kalten Krieg und in der deutschen Geschichte. Sie zeigten, wie tief die Furcht vor einem atomaren Konflikt in der Gesellschaft verankert war und wie stark der Wunsch nach Frieden und Abrüstung war.

Durch den NATO-Doppelbeschluss und die Reaktionen darauf wurde die Bundesrepublik Deutschland zu einem zentralen Schauplatz im globalen Ringen um Frieden und Sicherheit während des Kalten Krieges. Die Ereignisse von damals haben massiv die Politik der 1980er Jahre geprägt und sind ein bedeutendes Beispiel für die Kraft und den Einfluss zivilgesellschaftlichen Engagements.

Bild: Gemeinfrei | Gemeinfrei

Bildquellen auf dieser Seite:

  • Pershing_II_PC022206C NATO Doppelbeschluss Gemeinfrei: Gemeinfrei | Gemeinfrei
  • Trainer Baseball Kinder: Canva | Canva
  • Wolfgang_Sawallisch_1988-CC-BY-SA-40: Andrea Riegel (Düsseldorf) | CC BY-SA 4.0 International

Heute ist außerdem...

Sehen Sie, was heute sonst noch los ist.

Entdecken