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17. Juli 1854 – Freigabe der ersten Hochgebirgsbahn der Welt für den Personenverkehr

Am 17. Juli 1854 wurde die von Carl Ritter von Ghega entworfene Semmeringbahn für den allgemeinen Personenverkehr freigegeben. Die Strecke zwischen Gloggnitz in Niederösterreich und Mürzzuschlag in der Steiermark gilt als erste Hochgebirgsbahn der Welt.

Am 17. Juli 1854 wurde die von Carl Ritter von Ghega entworfene Semmeringbahn für den allgemeinen Personenverkehr freigegeben. Die Strecke zwischen Gloggnitz in Niederösterreich und Mürzzuschlag in der Steiermark gilt als erste Hochgebirgsbahn der Welt, die im normalen Adhäsionsbetrieb befahren wurde. Die Lokomotiven überwanden die starken Steigungen also ohne Zahnstange und ohne Unterstützung durch Seilzüge. Damit wurde bewiesen, dass der Eisenbahnverkehr auch im schwierigen Gebirge möglich war.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete der Semmering ein großes Hindernis auf der Verbindung von Wien nach Graz und weiter zum österreichischen Hafen Triest. Die Eisenbahn reichte bereits von Wien bis Gloggnitz und auf der südlichen Seite von Mürzzuschlag nach Graz. Dazwischen mussten Fahrgäste und Waren jedoch auf die Straße ausweichen. Eine durchgehende Südbahn konnte nur entstehen, wenn der Semmering mit Lokomotiven überwunden werden konnte.

Mit der Planung wurde Carl Ghega beauftragt. Der 1802 in Venedig geborene Ingenieur hatte bereits Erfahrungen beim Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn gesammelt. Auf einer Studienreise in die Vereinigten Staaten untersuchte er Eisenbahnstrecken in schwierigem Gelände. Nach seiner Rückkehr entwickelte er eine Trasse, die ohne Zahnstange auskommen sollte. Viele Fachleute hielten sein Vorhaben wegen der starken Steigungen und engen Kurven für kaum durchführbar.

Die Bauarbeiten begannen 1848 und dauerten sechs Jahre. Zeitweise waren bis zu 20.000 Arbeiter auf den Baustellen beschäftigt. Mit einfachen Maschinen, Sprengstoff und schwerer Handarbeit entstanden Tunnel, Einschnitte, Stützmauern und Viadukte. Unfälle und Krankheiten forderten zahlreiche Opfer. Die Strecke folgt nicht dem kürzesten Weg über den Pass, sondern windet sich in Schleifen an den Berghängen entlang. Dadurch konnten die Steigungen so weit begrenzt werden, dass sie von Lokomotiven bewältigt werden konnten.

Die rund 41 Kilometer lange Strecke beginnt in Gloggnitz auf 436 Metern Höhe und erreicht bei 895 Metern ihren höchsten Punkt. Anschließend fällt sie bis Mürzzuschlag wieder auf 677 Meter ab. Zu den bekanntesten Bauwerken gehören die Viadukte über die Krauselklause und die Kalte Rinne. Hinzu kommen zahlreiche Tunnel, Steinbrücken und Durchlässe. Die Bauwerke wurden überwiegend aus Stein und Ziegeln errichtet und eng an die Landschaft angepasst.

Noch während des Baus musste eine Lokomotive gefunden werden, die für die Strecke geeignet war. 1851 veranstaltete die österreichische Staatsbahn deshalb einen internationalen Wettbewerb. Aus den gewonnenen Erkenntnissen entwickelte Wilhelm von Engerth eine besondere Gebirgslokomotive mit beweglich verbundenem Stütztender. Die sogenannten Engerth-Lokomotiven besaßen genügend Zugkraft und konnten zugleich die engen Kurven der Strecke bewältigen.

Mit der Freigabe am 17. Juli 1854 war die Verbindung über den Semmering hergestellt. 1857 konnte schließlich die gesamte Strecke von Wien über Graz und Laibach bis Triest befahren werden. Die Bahn veränderte auch die Region. Der zuvor schwer erreichbare Semmering entwickelte sich zu einem beliebten Ziel für Sommerfrische, Ausflüge und später auch für den Wintersport. Hotels, Villen und Landhäuser entstanden entlang der Strecke.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Semmeringbahn mehrfach modernisiert. Die Elektrifizierung war 1959 abgeschlossen; damit endete der planmäßige Dampfbetrieb über den Pass. 1998 nahm die UNESCO die Semmeringbahn als erste Eisenbahnstrecke der Welt in die Liste des Weltkulturerbes auf. Gewürdigt wurden sowohl die technische Leistung als auch die von der Bahn geprägte Landschaft.

Heute ist die Strecke weiterhin Teil der österreichischen Südbahn. Enge Kurven und starke Steigungen begrenzen jedoch Geschwindigkeit und Zuggewicht. Deshalb entsteht zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag der 27,3 Kilometer lange Semmering-Basistunnel. Nach seiner geplanten Inbetriebnahme soll der Fern- und Güterverkehr weitgehend durch den Tunnel geführt werden. Die historische Bergstrecke bleibt dennoch erhalten und soll weiterhin dem Regionalverkehr, touristischen Fahrten und als Ausweichstrecke dienen. Damit bleibt die Semmeringbahn nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch nach mehr als 170 Jahren ein wichtiger Teil des österreichischen Eisenbahnnetzes.

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