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12. Juni 1536 – Todestag Erasmus von Rotterdam

Heute jährt sich zum 488. Mal der Todestag von Erasmus von Rotterdam, einer der herausragendsten Figuren der europäischen Renaissance.

Heute jährt sich zum 488. Mal der Todestag von Erasmus von Rotterdam, einer der herausragendsten Figuren der europäischen Renaissance. Am 12. Juli 1536 verstarb der Gelehrte und Humanist in Basel, doch seine Ideen und Schriften leben bis heute weiter. Erasmus, auch bekannt als Desiderius Erasmus, war ein Vorreiter der humanistischen Bewegung und hat mit seinem Werk die Entwicklung der europäischen Geistesgeschichte nachhaltig geprägt.

Erasmus wurde am 28. Oktober 1466 oder 1467 in Rotterdam geboren. Sein Geburtsjahr ist nicht eindeutig belegt, jedoch ist bekannt, dass er unehelich als Sohn eines Priesters zur Welt kam. Trotz dieser widrigen Umstände erhielt er eine gute Bildung und trat später in ein Kloster ein. Seine Ordination zum Priester erfolgte 1492, doch Erasmus fühlte sich mehr der Gelehrsamkeit als dem Klosterleben verbunden.

Seine Studien führten ihn nach Paris, wo er am Collège de Montaigu seine humanistische Bildung vertiefte. Hier begann er, sich intensiv mit den antiken Klassikern auseinanderzusetzen, was den Grundstein für seine späteren Arbeiten legte. Erasmus’ Werke sind geprägt von einem tiefen Verständnis der griechischen und römischen Literatur, was ihn zu einem der führenden Vertreter des Renaissance-Humanismus machte.

Erasmus‘ wohl bedeutendster Beitrag zur Geistesgeschichte ist seine Arbeit an der griechischen Neuausgabe des Neuen Testaments, die er 1516 veröffentlichte. Diese Ausgabe war revolutionär, da sie die bis dahin verbreitete lateinische Vulgata in den Schatten stellte und die Grundlage für zahlreiche Bibelübersetzungen, darunter auch Martin Luthers deutsche Bibel, bildete. Erasmus‘ philologische Präzision und seine Forderung nach einer Rückkehr zu den originalen Textquellen trugen maßgeblich zur Reformation und zur modernen Bibelwissenschaft bei.

Ein weiteres bedeutendes Werk von Erasmus ist „Lob der Torheit“ (Moriae Encomium), das 1509 entstand und 1511 veröffentlicht wurde. In dieser satirischen Schrift kritisiert er die Missstände seiner Zeit, insbesondere in der Kirche und unter den Gelehrten. Mit feiner Ironie und scharfer Beobachtungsgabe deckt Erasmus die Eitelkeiten und Fehler der Menschen auf, wobei seine Kritik nie destruktiv, sondern stets auf Besserung bedacht ist.

Erasmus war auch ein Pionier der Pädagogik. In seinem Werk „De ratione studii“ legte er Prinzipien für die Bildung junger Menschen dar, die bis heute Gültigkeit haben. Er betonte die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Bildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die moralische und ethische Entwicklung fördert.

Trotz seiner scharfsinnigen Kritik an der Kirche stand Erasmus der Reformation ambivalent gegenüber. Er sympathisierte mit den Reformideen, war jedoch ein Verfechter der Einheit der Kirche und lehnte radikale Brüche ab. In seinem Werk „De libero arbitrio“ wandte er sich gegen die deterministischen Thesen Martin Luthers und plädierte für den freien Willen des Menschen.

Seine Haltung brachte ihm Kritik von beiden Seiten ein: Die Katholiken warfen ihm vor, den Boden für die Reformation bereitet zu haben, während die Reformatoren ihn als zu gemäßigt und kompromissbereit empfanden. Erasmus versuchte, eine vermittelnde Position einzunehmen, was ihm jedoch oft als Schwäche ausgelegt wurde.

Erasmus von Rotterdam starb am 12. Juli 1536 in Basel. Sein Tod markierte das Ende einer Ära, doch seine Schriften und Ideen leben weiter. Erasmus wird oft als „Prinz der Humanisten“ bezeichnet, ein Titel, der seine herausragende Stellung in der Geistesgeschichte widerspiegelt. Seine Forderung nach Bildung, Toleranz und Vernunft ist heute aktueller denn je und macht ihn zu einem zeitlosen Vorbild.

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