Am 4. September 1965 starb in Lambarene, Gabun, einer der bedeutendsten Denker und Helfer des 20. Jahrhunderts: Albert Schweitzer. Er war Arzt, Philosoph, Theologe, Organist, Musikwissenschaftler und Pazifist. Er gründete ein Urwaldhospital, in dem er Tausende von Patienten behandelte, und entwickelte eine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, die alle Lebewesen einschloss. Er setzte sich für atomare Abrüstung und Frieden in der Welt ein und erhielt dafür den Friedensnobelpreis. Er war ein Vorbild für viele Menschen, die sich von seinem Leben und Werk inspirieren ließen.
Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 im elsässischen Kaysersberg geboren, das damals zum Deutschen Reich gehörte. Er wuchs in einer evangelischen Pfarrersfamilie auf und lernte schon früh Orgel spielen. Er studierte Theologie und Philosophie in Straßburg und wurde Professor für Neues Testament. Er beschäftigte sich intensiv mit der Forschung über Jesus und Paulus und veröffentlichte mehrere Bücher zu diesem Thema. Er war auch ein großer Bewunderer der Musik von Johann Sebastian Bach, über den er eine Monographie schrieb und dessen Orgelwerke er herausgab und spielte.
Trotz seiner akademischen Erfolge entschied er sich, seinen Beruf aufzugeben und Medizin zu studieren, um als Missionsarzt nach Afrika zu gehen. Er folgte damit einem inneren Ruf, den er schon als junger Mann verspürt hatte: „Ich hatte mir gesagt: Ich werde bis zu meinem dreißigsten Jahre für den Geist leben, danach für den Dienst an den Menschen.“ Er heiratete Helene Bresslau, die ebenfalls Medizin studierte, und gründete mit ihr zusammen eine Krankenstation in Lambarene, einem kleinen Ort am Fluss Ogooué im zentralafrikanischen Gabun. Dort behandelte er mit einfachen Mitteln die verschiedensten Krankheiten, wie Malaria, Lepra, Schlafkrankheit oder Wundinfektionen. Er baute das Hospital immer weiter aus und sorgte für die Ausbildung von einheimischen Helfern.
Albert Schweitzer war nicht nur ein praktischer Arzt, sondern auch ein philosophischer Denker. Er suchte nach einer universellen Ethik, die alle Menschen verbinden könnte, unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Er fand sie in dem Gedanken der Ehrfurcht vor dem Leben: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Diese Ethik forderte ihn auf, jedes Leben zu achten und zu schützen, nicht nur das menschliche, sondern auch das tierische und pflanzliche. Er lebte diese Ethik selbst vor, indem er sich vegetarisch ernährte, Tiere nicht jagte oder quälte und Pflanzen nicht unnötig zerstörte.
Albert Schweitzer war auch ein engagierter Friedensaktivist. Er war entsetzt über die Zerstörungskraft der Atombombe und die Gefahr eines Atomkrieges. Er appellierte an die Weltöffentlichkeit, die atomare Aufrüstung zu stoppen und eine friedliche Lösung der internationalen Konflikte zu suchen. Er sagte: „Die Menschheit muss aufhören zu Unrecht zu tun, wenn sie nicht untergehen will.“ Für seinen Einsatz für den Frieden wurde ihm 1953 der Friedensnobelpreis verliehen, den er 1954 in Oslo entgegennahm.
Albert Schweitzer starb im Alter von 90 Jahren in Lambarene. Er wurde neben seiner Frau Helene und seiner Tochter Rhena auf einem kleinen Friedhof am Flussufer beigesetzt. Sein Urwaldhospital wird bis heute weitergeführt und ist ein Symbol für seine humanitäre Arbeit.
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