Am 24. Oktober 1601 starb in Prag einer der größten Astronomen aller Zeiten. Sein Name war Tycho Brahe, und er hinterließ ein Vermächtnis von unübertroffen genauen Beobachtungen des Himmels, sowie eine faszinierende Lebensgeschichte voller Intrigen, Abenteuer und Geheimnisse.
Tycho Brahe wurde am 14. Dezember 1546 auf Schloss Knutstorp, im heutigen Schweden, geboren. Er gehörte zu einer adeligen dänischen Familie, die Verbindungen zum Königshaus hatte. Er wurde für den Staatsdienst ausgebildet, als er im Alter von vierzehn Jahren eine Sonnenfinsternis erlebte und völlig fasziniert war. Er war vor allem von der Tatsache begeistert, dass man sie auf die Stunde genau vorhersagen konnte. Als er später eine sogenannte Konjunktion beobachtete, das Phänomen, dass Jupiter und Saturn sich von der Erde aus betrachtet am Sternenhimmel zu berühren schienen, war er offenbar erschüttert. Nicht von dem, was er sah, sondern von der Tatsache, dass die damals gängigen Tabellen, um die Stellung der Planeten zu berechnen, um Tage bis Monate danebenlagen.
Er begann sich intensiv mit der Astronomie zu beschäftigen und las jedes Buch, das er bekommen konnte. Er stellte immer wieder Sternbeobachtungen an und entwickelte eigene Instrumente zur Messung der Positionen der Himmelskörper. Er studierte an den Universitäten Kopenhagen, Leipzig, Wittenberg, Rostock und Basel. Im Alter von zwanzig Jahren verlor Brahe in Rostock bei einem Duell mit seinem Cousin Manderup Parsberg einen großen Teil seiner Nase; Grund war der Streit um eine mathematische Formel. Er trug fortan eine künstliche Nase aus Gold und Silber.
Am 11. November 1572 entdeckte Brahe am nächtlichen Himmel etwas, was seiner Erfahrung nach dort gar nicht hingehörte: einen hellen Stern im Sternbild Kassiopeia. Ein Planet konnte es nicht sein und ein Fixstern, so hell wie die Venus, hatte dort nie zuvor gestanden. Es war eine Supernova und Brahe hatte sie entdeckt. Diese Entdeckung machte ihn berühmt und brachte ihm die Gunst des dänischen Königs Friedrich II. ein, der ihm eine eigene Insel schenkte: Ven.
Auf Ven errichtete Brahe sein Observatorium Uraniborg, das zugleich sein Wohnsitz war. Es war ein zweigeschossiger Palast mit weitläufigen Räumlichkeiten, mit Werkstätten zur Konstruktion seiner Messinstrumente, Bodenkammern für Studenten und einer umlaufenden Galerie zur Beobachtung mit kleineren Instrumenten. Später baute er auf einem kleinen Hügel eine weitere Sternwarte namens Stjerneborg, in der alle Instrumente unterirdisch angebracht waren. Er beschäftigte zahlreiche Mitarbeiter und Gäste, darunter auch seinen berühmten Assistenten Johannes Kepler.
Brahe beobachtete den Himmel mit einer Präzision, die vor dem Aufkommen des Teleskops unerreicht war. Er vermaß die Positionen von mehr als 777 Fixsternen und erstellte einen neuen Sternenkatalog. Er untersuchte auch das Sonnensystem und stellte fest, dass die Mondbahn nicht kreisförmig war. Er entwickelte sein eigenes Weltsystem, das dem kopernikanischen widersprach und die Erde im Zentrum des Universums behielt.
Die Umstände von Brahes Tod waren bizarr und die Todesursache lange ungeklärt. Am 13. Oktober 1601 nahm er an einem Festbankett des Kaisers Rudolf II. teil. Er musste der Überlieferung nach wegen starker Blasenschmerzen die Tafel frühzeitig verlassen. Er starb elf Tage später an Nierenversagen. Es gab Gerüchte, dass er vergiftet worden sei, vielleicht von Kepler, der sein Erbe antrat. Spätere Untersuchungen seiner sterblichen Überreste konnten jedoch keine Spuren von Quecksilber oder anderen Giften nachweisen.
Tycho Brahe wurde in der Teynkirche in Prag beigesetzt, wo sein Grabmal noch heute zu sehen ist. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Astronomie und als ein Vorbild für wissenschaftliche Genauigkeit und Neugier. Seine Beobachtungen ermöglichten es Kepler, die Gesetze der Planetenbewegung zu formulieren, die später von Newton in seine Gravitationstheorie einbezogen wurden. Er war der Sternenherr seiner Zeit und sein Name leuchtet noch immer am Firmament der Wissenschaft.

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