Kalender

5. Januar 1921 – Geburtstag Friedrich Dürrenmatt

Am 5. Januar 1921 wurde einer der bedeutendsten Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler des 20. Jahrhunderts, geboren: Friedrich Dürrenmatt.

Am 5. Januar 1921 wurde einer der bedeutendsten Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler des 20. Jahrhunderts, geboren: Friedrich Dürrenmatt. Sein literarisches und bildnerisches Werk zeugt von seiner kritischen und kreativen Auseinandersetzung mit der Welt, der Macht, der Gerechtigkeit und dem Menschen.

Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen im Kanton Bern geboren. Als Sohn eines reformierten Pfarrers und einer Bauernstochter wuchs er in einem Dorf auf, das ihm eine unbeschwerte Kindheit ermöglichte. Früh entwickelte er ein starkes Interesse an Malerei und Literatur. Er verschlang Abenteuerromane von Karl May und Jules Verne, zeichnete Katastrophenszenen und fertigte Illustrationen zur „Schwarzen Spinne“ sowie zu den „Nibelungen“ an. Zunächst wollte er Maler werden, scheiterte jedoch an der Ablehnung durch etablierte Künstler wie Kuno Amiet. Daraufhin begann er ein Studium der Philosophie, der Naturwissenschaften und der Germanistik an den Universitäten Bern und Zürich, das er 1946 abbrach, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er heiratete die Schauspielerin Lotti Geißler, mit der er drei Kinder hatte.

Friedrich Dürrenmatt begann seine literarische Laufbahn mit Hörspielen, Erzählungen und Essays. Sein erstes Drama „Es steht geschrieben“ aus dem Jahr 1947 sorgte für einen handfesten Theaterskandal, da es die Geschichte der Schweizer Reformation als blutige Tragödie inszenierte. Der Durchbruch in Deutschland gelang ihm wenige Jahre später mit der Komödie „Die Ehe des Herrn Mississippi“ von 1952, die von Gustaf Gründgens auf die Bühne gebracht wurde.

Sein internationaler Ruhm gründet vor allem auf den tragikomischen Theaterstücken, die zwischen 1955 und 1962 entstanden. Dazu zählen „Der Besuch der alten Dame“, „Die Physiker“ und „Der Meteor“. In diesen Werken verbindet Dürrenmatt Elemente der Farce, der Satire, des Paradoxen und des schwarzen Humors, um die Absurdität und zugleich die Bedrohlichkeit der modernen Welt sichtbar zu machen. Im Zentrum stehen moralische Konflikte, in denen seine Figuren zwischen Geld, Liebe, Rache, Wahrheit und Verantwortung entscheiden müssen. Zugleich übt er scharfe Kritik an Kapitalismus, Militarismus, Wissenschaft und Politik, deren Macht er als Gefahr für Menschlichkeit und Freiheit begreift.

Dürrenmatt war auch ein erfolgreicher Kriminalautor, der das Genre als eine Form der Gesellschaftskritik nutzte. Seine bekanntesten Kriminalromane sind “Der Richter und sein Henker” (1950), “Der Verdacht” (1951) und “Das Versprechen” (1958). In diesen Romanen zeigt Dürrenmatt die Grenzen der Rationalität und der Gerechtigkeit auf, die oft von der Willkür und dem Zufall unterlaufen werden. Er spielt mit den Erwartungen der Leser und bricht die Konventionen des Genres, indem er die Auflösung der Fälle ironisch, tragisch oder offen lässt.

Neben seiner literarischen Tätigkeit widmete sich Dürrenmatt auch der Malerei, die er als eine Form der Entspannung und des Ausdrucks betrachtete. Er malte vor allem Landschaften, Porträts, Stillleben und surreale Szenen, die oft seine literarischen Themen und Motive widerspiegeln. Er stellte seine Werke mehrmals öffentlich aus und illustrierte einige seiner eigenen Bücher. Sein bildnerisches Werk wird im Museum Centre Dürrenmatt Neuchâtel ausgestellt, das in seinem ehemaligen Wohnhaus eingerichtet wurde.

Dürrenmatt war auch ein engagierter und streitbarer Zeitgenosse, der sich zu politischen und kulturellen Fragen äußerte. Er war ein Verfechter der direkten Demokratie und der Neutralität der Schweiz, aber auch ein Kritiker ihrer Isolation und ihrer Heuchelei. Besonders engagierte er sich gegen den Kalten Krieg, Atomwaffen und den Vietnamkriege. Er war ein Befürworter der europäischen Integration und der Menschenrechte. Dürrenmatt war ein Freund und Bewunderer von Max Frisch, Bertolt Brecht, Samuel Beckett und Albert Einstein. Auch war er ein Initiant und geistiger Vater des Schweizerischen Literaturarchivs, das er mit seinem literarischen Nachlass begründete.

Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in Neuenburg an einem Herzversagen und hinterließ ein umfangreiches und vielfältiges Werk, das bis heute gelesen, gespielt, verfilmt und diskutiert wird. Er gilt als einer der originellsten und einflussreichsten Schriftsteller und Dramatiker des 20. Jahrhunderts, der mit seiner Tragikomödie eine neue Form der Dramatik schuf, die das Komische und das Tragische, das Absurde und das Realistische, das Alltägliche und das Phantastische verbindet.

Bild: Elke Wetzig | CC BY-SA 3.0 Unported
Bild: Elke Wetzig – Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bildquellen auf dieser Seite:

  • Friedrich_duerrenmatt_19890427-Elke-Wetzig-CC3: Elke Wetzig | CC BY-SA 3.0 Unported
  • Hamburger Brand Hopfenmarkt_und_Nicolaikirche_in_Flammen Gemeinfrei: Gemeinfrei | Gemeinfrei
  • Chanel no 5 lina-von-gelieu-Fe5X60ETOY4-unsplash: Unsplash+ | Unsplash+
  • Adele shutterstock_2445388909 crop: Shutterstock | Shutterstock
  • Jacques-Louis_David_-_The_Emperor_Napoleon_in_His_Study_at_the_Tuileries_-_Google_Art_Project-Gemeinfrei: Public Domain | Public Domain

Heute ist außerdem...

Sehen Sie, was heute sonst noch los ist.

Entdecken