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3. Mai 1999 – Der F5-Tornado von Oklahoma City

Am 3. Mai 1999 verwüstete ein F5-Tornado den Großraum Oklahoma City und erzeugte die höchsten je in einem Tornado gemessenen Windgeschwindigkeiten.

Am Abend des 3. Mai 1999 zog einer der bekanntesten Tornados der US-Geschichte durch den Großraum Oklahoma City. Der Tornado, der meist als Bridge-Creek-Moore-Tornado bezeichnet wird, entstand gegen 18.23 Uhr Ortszeit südwestlich von Amber im Grady County und bewegte sich danach nordostwärts über Bridge Creek, Newcastle, Teile von Oklahoma City, Moore, Del City und bis in die Nähe von Midwest City. Er blieb rund 85 Minuten am Boden, hinterließ eine etwa 38 Meilen lange Schneise und erreichte auf der damals verwendeten Fujita-Skala die höchste Stufe F5. In der Nähe von Bridge Creek maß ein mobiles Doppler-Radar zudem Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde; diese Messung gilt als höchste je in einem Tornado erfasste Windgeschwindigkeit und gehört zu den extremsten Windmessungen überhaupt.

Die Ursache lag nicht in einem einzelnen Auslöser, sondern in einer außergewöhnlich gefährlichen Wetterlage über den südlichen Great Plains. Über dem Westen der Vereinigten Staaten lag ein großräumiger Höhentrog, an dessen Vorderseite starke Höhenwinde über die Plains griffen. Am Boden entwickelte sich ein Tiefdruckgebiet an der Ostseite der Rocky Mountains, während feuchte, warme Luft aus südlicher Richtung nach Oklahoma geführt wurde. Gleichzeitig rückte eine sogenannte Dryline, also die Grenze zwischen feuchter und trockener Luft, nach Osten vor. Dort, wo diese Luftmassengrenze mit kleineren Störungen und einer bodennahen Konvergenzlinie zusammentraf, konnten Gewitter sehr rasch entstehen und sich zu Superzellen organisieren. Die Atmosphäre war dabei nicht nur energiereich, sondern auch stark geschert: Windrichtung und Windgeschwindigkeit änderten sich mit der Höhe deutlich. Genau diese Kombination begünstigt rotierende Gewitter und damit besonders starke Tornados.

Der spätere F5-Tornado war Teil eines größeren Ausbruchs, bei dem am 3. und 4. Mai in Oklahoma und Kansas Dutzende Tornados entstanden. Allein die Gewitterzelle, aus der der Bridge-Creek-Moore-Tornado hervorging, produzierte nach Angaben des National Weather Service 14 Tornados innerhalb von etwa dreieinhalb Stunden. Der folgenschwerste davon war Tornado A9, der in Bridge Creek, Oklahoma City und Moore F5-Schäden verursachte. Besonders verheerend waren die Schäden dort, wo Wohngebiete direkt im Kernbereich des Tornados lagen. In Bridge Creek wurden mobile homes und Häuser vollständig zerstört; Asphalt wurde stellenweise von Straßen abgetragen, Fahrzeuge wurden über große Entfernungen geschleudert.

In Moore und im Süden von Oklahoma City traf der Tornado dicht bebaute Wohngebiete. Ganze Straßenzüge wurden zerstört, Häuser von ihren Fundamenten gerissen, Versorgungsleitungen unterbrochen und Verkehrswege blockiert. Der National Weather Service führt für diesen einzelnen Tornado 36 Todesopfer und 295 Verletzte in seiner Ereignistabelle; andere zeitnahe Auswertungen nennen für den gesamten Ausbruch 46 Tote, etwa 800 Verletzte, mehr als 8000 beschädigte oder zerstörte Häuser und Sachschäden von nahezu 1,5 Milliarden Dollar. Für Oklahoma allein wurden 16 Countys zu Katastrophengebieten erklärt.

Der Tornado wurde später auch wegen einer außergewöhnlichen Messung bekannt. Ein mobiles Forschungsradar vom Typ Doppler on Wheels maß in der Nähe von Bridge Creek Windgeschwindigkeiten von rund 318 Meilen pro Stunde, also mehr als 500 Kilometern pro Stunde. Das führte damals zu Spekulationen über eine angebliche F6-Einstufung. Der National Weather Service stellte jedoch klar, dass der Tornado F5 blieb. Die Fujita-Skala bewertet Tornados nach den verursachten Schäden, nicht allein nach gemessenen Windgeschwindigkeiten; außerdem ist F5 die höchste praktisch verwendete Stufe.

Trotz der Zerstörung gilt der 3. Mai 1999 auch als ein Wendepunkt in der amerikanischen Unwetterwarnung. Der National Weather Service hatte das Risiko im Tagesverlauf mehrfach heraufgestuft und für den Großraum Oklahoma City mit vergleichsweise langen Vorwarnzeiten gewarnt. Für das betroffene Gebiet wurden Warnungen je nach County zwischen 13 und 65 Minuten vor dem Eintreffen des Tornados ausgegeben. Während des Ereignisses verwendete das Büro in Norman erstmals den Ausdruck „Tornado Emergency“, um deutlich zu machen, dass ein großer, gewalttätiger Tornado auf dicht besiedelte Gebiete zulief. Diese Formulierung wurde später zu einem wichtigen Instrument für besonders gefährliche Lagen.

Die Folgen waren über Jahre sichtbar. Der Tornado zwang viele Gemeinden zu einer Neubewertung ihrer Schutzräume, Warnsysteme und Bauweisen. In Oklahoma wurde erneut deutlich, wie verletzlich mobile homes und nicht unterkellerte Häuser gegenüber starken Tornados sind. Zugleich zeigte das Ereignis, dass moderne Radartechnik, lokale Wetterbeobachtung, eingespielte Medienberichterstattung und eine Bevölkerung mit Tornado-Erfahrung viele Leben retten können. Nach Einschätzung von NOAA-Forschern wurden durch rechtzeitige Warnungen und ein hohes Maß an Tornado-Vorbereitung Hunderte Menschenleben gerettet.

Der F5-Tornado vom 3. Mai 1999 blieb deshalb nicht nur als Naturkatastrophe in Erinnerung. Er wurde zu einem Lehrbeispiel dafür, wie gefährlich die klassische Tornado-Wetterlage der Great Plains werden kann, wenn Feuchtigkeit, Hitze, Windscherung und ein wirksamer Auslöser zusammenkommen. Für Oklahoma City, Moore und Bridge Creek war er eine Zäsur; für die Meteorologie wurde er zu einem Fall, an dem Forschung, Warnpraxis und Katastrophenschutz noch lange weiterarbeiteten.

Bild: Public Domain | Public Domain

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