Am 16. Juli feiert die katholische Kirche das Hochfest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Es ist eng mit dem Karmeliterorden verbunden und hat seinen Ursprung in der marianischen Frömmigkeit des Mittelalters. Besonders im Mittelpunkt steht dabei das sogenannte Skapulier; ein kleines, geweihtes Schulterkleid aus Stoff, das als Zeichen der besonderen Verbindung zu Maria gilt.
Seinen liturgischen Ursprung hat das Fest im 14. Jahrhundert. 1386 wurde es erstmals in Karmelitenklöstern in England begangen. Papst Benedikt XIII. weitete es 1726 auf die gesamte römisch-katholische Kirche aus. Der Name des Festes bezieht sich auf den Berg Karmel in Israel, einen Ort mit biblischer Bedeutung. Dort lebte im Alten Testament der Prophet Elija, und in der christlichen Überlieferung gilt der Karmel als Ursprung des Karmeliterordens. Die besondere Verehrung Mariens im Orden geht auf eine Vision zurück, die der englische Karmelit Simon Stock im 13. Jahrhundert gehabt haben soll: Maria überreichte ihm ein Skapulier mit dem Versprechen, dass jeder, der es in Treue trägt, ihres besonderen Schutzes gewiss sein dürfe, sowohl im Leben wie im Tod.
Aus dieser Tradition entstand das sogenannte Skapulierfest. Es wird heute nicht nur von Karmeliten, sondern auch von vielen Laiengläubigen begangen. Das Tragen eines Skapuliers gilt als Zeichen der Hingabe an Maria und wird häufig mit einem kurzen Weihegebet verbunden. Die Symbolkraft ist bis heute lebendig; in Wallfahrtsorten, bei feierlichen Skapulieraufnahmen oder in der Volksfrömmigkeit. Zahlreiche Kirchen und Klöster in Europa und weltweit sind Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel geweiht, etwa das barocke Karmelitenkloster in Mussenhausen in Bayern mit seiner kunstvollen Darstellung der marianischen Tugenden. In Palmi, Kalabrien, wird jährlich am 16. Juli an ein Wunder von 1894 erinnert, bei dem eine Marienstatue während eines Erdbebens plötzlich lebendig wirkte, mit Augenbewegungen, Farbveränderung und einer stillstehenden Prozession. Das Ereignis wurde kirchlich anerkannt, die Statue zwei Jahre später gekrönt.
Das Hochfest ist auch heute für viele Gläubige ein Anlass, sich neu mit dem Gedanken der geistlichen Verbundenheit auseinanderzusetzen. Das Skapulier steht nicht nur für Schutz, sondern auch für Verantwortung: Es erinnert daran, sich in Alltag und Glauben immer wieder neu unter den geistlichen Mantel Mariens zu stellen. In einer Zeit, in der äußere Zeichen des Glaubens zunehmend seltener geworden sind, bewahrt das kleine Stoffzeichen einen stillen, aber beständigen Platz in der religiösen Praxis. Der 16. Juli bietet somit Gelegenheit, sich an die Wurzeln einer lebendigen Spiritualität zu erinnern, die Schutz nicht als magisches Versprechen versteht, sondern als Ausdruck tiefer Verbundenheit mit einer Glaubenshaltung, die seit Jahrhunderten Bestand hat.

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